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„Die Konferenz der Tiere“ banalisiert ein bedeutsames Thema & sieht dabei noch mies aus

„Die Konferenz der Tiere“ banalisiert ein bedeutsames Thema & sieht dabei noch mies aus

Die Story ihres 3D-Abenteuers haben Reinhard Klooses und Holger Tappes allerdings mehr von den Bremer Stadtmusikanten als von Erich Kästner. Die Räuber sind diesmal die Menschen, die statt im Waldhäuschen in einem Luxushotel hausen. Daraus wollen Erdmännchen Billy, Eisbärin Sushi, Hahn Charles und der Tasmanische Teufel Smiley sie vertreiben. Was das wem bringen soll weiß keiner, am wenigsten die Drehbuchautoren. Wollen die Tiere womöglich selbst im Hotel leben, wie ein domestizierter Schimpanse, Maskottchen eines skrupellosen Managers? Gut möglich, denn die überzogene Vermenschlichung der Figuren führt den Tenor der Vorlage ad absurdum. Die Tiere verbünden sich mit apodiktischer Vehemenz gegen die Menschen, deren Ebenbilder sie in allem außer dem Aussehen sind.

Fragwürdig? Quatsch, Lethargie, unüberlegter Aktionismus, Gewalttätigkeit und Phrasendrescherei sind doch voll lustig, wenn das auf einmal Tiere statt Menschen machen. Alles unter der Leitung eines Hohen Tieres mit dem vielsagenden Namen Angie. Ironie? Doppelbödigkeit? Nur die Zielgruppe nicht überfordern oder gar zum Nachdenken anregen! Sonst kommt noch jemand auf den Gedanken, dass hier eine ebenso spannende wie zeitgemäße Thematik systematisch bagatellisiert wurde. Umweltzerstörung ist in der verworrenen Mär abwechselnd harmloser Witz und pathetisches Gehorsamsargument. Von der Vorlage bleibt neben altbackenem Moralismus nur der Titel übrig, denn nicht nur die Menschen auf der Leinwand wollen Geld machen. Die Öko-Botschaft fungiert bloß als Aushängeschild, mit dem holzhammerartig ein Marketingkonzept eingehämmert wird.

Weder findet eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik statt, noch werden Lösungswege aufgezeigt. Krieg, Gewalt und Bürokratie hingegen sind rehabilitiert. Nervige Gesangseinlagen und tumbe Slapstick bilden eine hohle Nummernrevue voll fragwürdiger Klischees und abstruser Wendungen. In der idealisierten Wildnis sind Raubtiere Vegetarier, die das Methusalem-Alter von Galapagos-Schildkröten erreichen, und Kindern gegenüber zu Schmusetigern werden. Wird die Kriegstrommel gerührt, ist allerdings Schluss mit friedfertig. Wer sich dem tierischen Widerstand nicht anschließt, ist ein Deserteur. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Wie ein Typ namens Dudley C. Stone mal sagte: „Vielleicht ist die Hölle nicht als eine gewaltige Konferenz derer, die wenig oder nichts zu sagen haben.“ Wohl wahr.

  • OT: Konferenz der Tiere
  • Regie: Reinhard Klooss, Holger Tappe
  • Drehbuch: Reinhard Klooss, Sven Severin, Oliver Huzly
  • Produktionsland: Deutschland
  • Jahr: 2010
  • Laufzeit: 93 min.
  • Cast: Ralf Schmitz, Thomas Fritsch, Christoph Maria Herbst, Bastian Pastewka, Oliver Kalkofe
  • Kinostart: 07.10.2010
  • Beitragsbild © Constantin