#movie #review #cinema #critic #film #festival #podcast

No magic here: Disney’s „Oz: The Great and Powerful“

No magic here: Disney’s „Oz: The Great and Powerful“

Gut ist nicht gut genug. Oscar Diggs (James Franco) will great sein, lügt, betrügt und vergnügt sich zu diesem Ziel und bekommt für diese Ambition noch die Macht als Bonus dazu. Zynische Geschichte der bitteren Geschäftswelt? Quatsch, das ist zauberhafte Familienunterhaltung voller Charme und Humor. Okay, ohne Charme und Humor und der Zauber sind bloß ein Haufen fader CGI-Spielereien. Aber Disney ähnelt da dem Hauptcharakter von Sam Raimis loser Frank-L.-Baum-Adaption: Nimbus und Box-Office-Power sind wichtiger als gut sein. Verramscht wie die Sets, die wie von Tim Burtons Alice in Wonderland übrig geblieben aussehen, ist die Psychologie der unausgegorenen Geschichte.

Oscars phantastische Reise ist eine symbolische Flucht aus einem intellektuell und emotional abstumpfenden Umfeld, die in einer erstickenden Moralscharade endet. Die bittere Ironie hinter diesem Sackgassenende tarnen ein angestrengter Effekt-Reigen und unglaubhafte Lösungen für verwässerte Konflikte. „Moral ist essenziell“, postuliert Glinda, die Gute (Michelle Williams) die fadenscheinige Empathie der kunterbunten Ode auf Materialismus und Kalkulation. Gier und Missgunst motivieren die Charaktere, deren Grabenkämpfe die Geistesleere inmitten dümmlicher Genügsamkeit füllen. Ein Ende machen kann dem einzig männliche Ratio, die Oscar natürlich von Natur aus besitzt. Fehlt nur noch die Güte, die Glinda ihm wie eine Auszeichnung zuspricht.

Oz – The Great and Powerful steht auf dem Vorhang vor Oscars Zelt. Die Erfüllung seiner Wünsche ist sein Geburtsprivileg, dass implizit direkt an eine vermeintliche männliche Überlegenheit des Titelhelden geknüpft wird. Im bekanntesten Buch aus Baums Reihe war die Hauptfigur ein kleines Mädchen, das erwachsene männliche Autorität als Popanz demaskierte. Disney verkehrt das Motiv ins konservative Gegenteil. Männliche Autorität ordnet das unter weiblicher Herrschaft entstandene Chaos. „Gutartigkeit“, nennt das ein einfallsarmer Plot, der Ignoranz sanktioniert, Heuchelei propagiert und sich abschließend zur eigenen Manipulation gratuliert: „Sieht so aus als hätte ich dich auch zum Narren gehalten.“

  • OT: Oz: The Great and Powerful
  • Regie: Sam Raimi
  • Drehbuch: Mitchell Kapner, David Lindsay-Abaire
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 130 min.
  • Cast: James Franco, Rachel Weisz, Michelle Williams, Mila Kunis, Tony Cox
  • Kinostart: 07.03.2013
  • Beitragsbild © Disney