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Cat Content: Mit „Puss in Boots“ steigt das „Shrek“-Franchise weiter ab

Cat Content: Mit „Puss in Boots“ steigt das „Shrek“-Franchise weiter ab

Mein Durst nach Abenteuern wird niemals gestillt sein!“ Jedenfalls nicht, solange der Durst des Publikums nach einnehmenden Kinoabenteuern und der Durst der Produzenten nach abenteuerlichen Kinoeinnahmen nicht gestillt ist. Die Belohnung, die Steckbriefe in dem hitzeflimmernden Ort an der mexikanischen Grenze zum Märchenreich für den Titelcharakter versprechen, verweist verräterisch auf den Kassenerfolg, der Chris Millers Spin-off an erster Stelle sein soll. 

Alles andere ist dem Prinzip der Gewinnmaximierung untergeordnet. Plot und Titelheld (Sprecher: Antonio Banderas) überschlagen sich buchstäblich vor Rasanz auf der Jagd nach der Goldenen Gans. Eine solche soll offenkundig das Franchise werden, doch Selbstironie ist die Evokation der sprichwörtlichen Quelle unerschöpflichen Reichtums nicht. Vermutlich hat das Autoren-Trio Tom Wheeler, Brian Lynch und William Davies einfach die Vorlage nie gelesen. Oder nicht kapiert, begehen sie doch den gleichen Fehler des gierigen Gänsebesitzer-Paares. Mit Regisseur Miller schlachten sie alles aus, was geht, und killen nebenbei Story und Charaktere und jeglichen Charme. 

Hohle Action und platte Anspielungen dienen als Ablenkungsmanöver von der Ideenarmut der Jagd nach dem flatterhaften McGuffin. Puss’ semi-krimineller Kindheitsfreund Humpty Alexander Dumpty (Zach Galifianakis) und Profidiebin Kitty Softpaws (Salma Hayek) sind hier eindeutig die interessanteren Figuren, bekommen jedoch nie ausreichend Gelegenheit zur Entwicklung. Trotz oder wegen der sieben Jahre Entwicklungszeit fügen sich die Cameos prominenter Stimmen und Märchenfiguren nie zu einer organischen Geschichte. Jack (Billy Bob Thronton), Jill (Amy Sedaris) und Guillermo del Toros Commandante bleiben als Widersacher so eindimensional wie der vom Shrek-Nebencharakter aufgestiegene Held. 

Kindern entziehen sich die Querverweise auf The Black Whip, englische Kinderreime sowie Urban Legends. Älteren Zuschauer_innen reichen eine Handvoll Insider-Gags nicht, um die oberflächliche Verfolgungsjagd aufzuwerten. Anders steht es womöglich für eingefleischte Katzenfans, die typische Verhaltensweisen ihrer Lieblinge in zahlreichen Szenen wiederfinden. Diese Form des Humors ist letztlich jedoch zu billig und deutet zudem peinlich auf die Phantasielosigkeit der Autoren, denen ein überreicher Fundus weltbekannter Figuren und Geschichten nicht genügte, um anderthalb Stunden Laufzeit mit mehr als Merchandising-Maskottchen zu füllen. Wie der Hauptcharakter sagen würde: mau. 

  • OT: Puss in Boots
  • Regie: Chris Miller
  • Drehbuch: Tom Wheeler, Brian Lynch, William Davies, Andrew Adamson
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 90 min. 
  • Cast: Zach Galifianakis, Salma Hayek, Antonio Banderas, Billy Bob Thornton, Walt Dohrn, Constance Marie, Amy Sedaris, Zeus Mendoza
  • Kinostart: 08.12.2011
  • Beitragsbild: Paramount Pictures