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Blyton’s Besties: „Fünf Freunde“ zeigen, warum Werktreue manchmal echt mies ist

Blyton’s Besties: „Fünf Freunde“ zeigen, warum Werktreue manchmal echt mies ist

Kein Wunder, dass du keine Freunde hast“, verkündet Julian seiner Cousine Georgina (Valeria Eisenbart). Die lässt sich George nennen und stößt mit ihrem Temperament Anführer Julian (Quirin Oettl), girly girl Anne (Neele Marie Nickel) und Wissenskanone Dick (Justus Schlingensiepen) vor den Kopf. Mädchen, die nicht verweichlicht, verheult, niedlich, friedlich, lieblich, empfindlich, dümmlich – also so gar nicht mädchenhaft – sind, ja wo gibt’s denn so was? 

Klar, bei Enid Blyton, deren bedeutendster Beitrag zur Stärkung von Mädchenselbstbewusstsein war, dass sie es in die Top Five der bösesten Menschen aller Zeiten schaffte. Die einzige Frau neben Hitler, Stalin, Pol Pot und Idi Amin. Respekt, Blyton. Deren Fans atmen auf, wenn George umgehend in einer Notlage ihre Hilfebedürftigkeit und damit implizit Weiblichkeit zeigt. Uff, keine Gender-Verwirrung bei den Famous Five. Das Quartett lernt bei der Rettung von Knuffel-Faktor-Garant Timmy (für Fünf-Freunde-Verschonte: der Hund) mit einer Holzhammer-Symbolik, die der Autorin sicher gefallen hätte, an einem Strang zu ziehen. Das muss es auch, um es während der Ferien mit Verbrechern aufzunehmen, die hinter der Erfindung von Georges Vater (Michael Fitz) her sind. 

Mike Marzuks Abenteuerfilm ist die Kinoadaption der beängstigend epopulären Buchreihe, die ein ähnliches Potential bietet wie die ebenfalls von Produzent Andreas Ulmke-Smeaton realisierten Wilden Kerle. Kindliche Detektive waren derart lukrativ, dass die britische Autorin sie in diversen Buchreihen monetarisierte. Schematik, Wiederholung und Formalismus gehören da praktisch zum Konzept. Das greift die Handlung dankbar auf. Die im Presseheft geäußerte Bitte, „auch dem Publikum ein spannendes Kinoerlebnis zu ermöglichen und in Ihren Rezensionen nicht zu verraten“ wirkt reichlich verstiegen. Gab es je eine Blyton-Erzählung, bei der die Schurken nicht schon von Weitem zu erkennen waren oder dadurch identifiziert wurden, dass sie Randgruppen angehörten? Die Abwesenheit psychologischer Nuancen ist nur eines der eklatanten Mankos der gestrigen Vorlage, welche die Adaption bedenkenlos übernimmt.

Die Detektivarbeit läuft auf der Leinwand so glatt und gefahrlos ab, dass eine Atmosphäre von Abenteuer und Rätsel nie entsteht. Da hilft auch nicht das obligatorische Ablaufen der typischen Schauplätze wie unterirdische Gänge, Schmugglerinseln und Verließe. Aus einem solchen muss dann natürlich George befreit werden, bevor die Jungs den Tag retten. Das doppelte X-Chromosom ist Schuld, wird dem Kinderpublikum dazu erklärt: „Du siehst vielleicht aus wie ein Junge und benimmst dich wie ein Junge, aber du bist trotzdem ein Mädchen.“ Noch nicht Blyton-es genug? Es geht noch chauvinistischer „Um Mädchen muss man sich kümmern!“ Widerlegt werden dergleichen Herablassung und Bigotterie nicht. Kein Wunder, dass Produzent Ulmke-Smeaton meint, dass Georges Wunsch, ein Junge zu sein als „heute noch genauso aktuell ist und viele Mädchen ansprechen wird“. Klar doch, alte Männer wissen eben immer noch am Besten, wie kleine Mädchen heute ticken. 

Mädchen und Jungen gleichermaßen dürften statt Georges Verhalten eher dessen Deklarierung als „jungenhaft“ befremdlich finden. Valeria Eisenbart – deren Schauspiel das einzig Sehenswerte an der überflüssigen Neuauflage eines veralteten Retortenwerks ist – sieht weder ansatzweise maskulin aus, noch tut sie irgendetwas, das für ein Kind im dargestellten Alter untypisch wäre. Welch altväterliches Zerrbild von Mädchenhaftigkeit in den Köpfen der Macher herumgeistert, führt die zimperliche Anne vor. Doch Distanz zum reaktionären Wert- und Weltbild von Bad Bitch Blyton – ob kritisch oder ironisch – wünscht die Verfilmung augenscheinlich nicht. Auf den Kassenerfolg des spaß- und spannungsfreien Wiedersehens mit der verhassten Klischee-Clique kann sich Mazurken dennoch verlassen. In seinen Worten: „Die Fünf Freunde sind schließlich eine bekannte Marke. 

  • Beitragsbild © Constantin
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