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“Die Chaosschwestern feat. Pinguin Paul”: Generische Geschwister-Geschichte

“Die Chaosschwestern feat. Pinguin Paul”: Generische Geschwister-Geschichte

Das Chaos hat vier Namen. Der Kommerz übrigens auch und das sind nicht zufällig die gleichen: Livi (Lilit Serger), Tessa (Momo Beier), Malea (Cara Vondey) und Kenny (Rona Regjepi). Die vier Heldinnen Dagmar H. Muellers gleichnamiger Kinderbuchreihe sind weiß, wohlhabend, cis, trotz ihrer jungen Jahre demonstrativ straight und able-bodied sowieso. Also haargenau die Art ultraprivilegierter Publikumslieblinge, von denen die bildungsbürgerlichen Zielgruppe nicht genug kriegen kann, aber wie Erzählerin Olivia alias Livi trotzdem natürlich irgendwie „anders“.

Keine Sorge, natürlich nicht „anders“ wie keine konservative Musterfamilie (die beider perfekte Eltern abgeben) oder wie materielle Probleme (das mit unbegrenztem Budget ausgestattete Quartett logiert in einer Villa mit Grundstück) oder wie Patchwork (dass die Titelfiguren tatsächlich vertauscht seien, wird ostentativ ausgeschlossen) oder wie kognitive oder psychische Herausforderungen (dass die Jüngste Malea mit einem fiktiven Silberfischchen spricht, wird als grenzwertig geframet). Anders heißt hier besonders cool. Entsprechend schwierig ist eine Identifikation mit den kindlichen Klischees. 

Die begegnen bei ihrem Abenteuer-Ausflug zum Zoo ähnlich tumb charakterisierten Erwachsenen. Magier-Paar Mary (Janine Kunze) und Marc (Max Giermann) chargiert ordentlich auf der Jagd nach Pinguin Paul, dessen Tanzkünste ihre Show aufpeppen sollen, damit das Kinderpublikum weiß, dass es zu lachen hat, wenn beide durch die Landschaft stolpert. Auf diesem Humor- und Spannungsniveau geht es zum vorhersehbaren Ende, zu dem Livi in Unternehmersohn Deniz (Giovanni Francesco) einen Boyfriend parat hat und allseits demonstrativ beklatscht wird. 

Bei den Kindern im Kinosaal zeigt der suggestive Selbstapplaus Mike Mazurks Adaption der gleichnamigen Buchreihe wenig Wirkung. Verständlich angesichts des plumpen Schauspiels und der einfallslosen Story des Geschwister-Abenteuers. Überdeutlich aus filmischen Versatzstücken zusammengeklaubt und mit tierischem Niedlichkeitsfaktor überzuckert, unterstreicht die spießige Inszenierung das Faible des Regisseurs für gestrige Kinderunterhaltung. Noch verstaubter als die konservativen Familienwerte ist die Idealisierung von Zoos als Tierparadies mit Öko-Mission sowie die Abwertung Schaustellender als dümmlicher Krimineller und Dienstleistender als arbeitsscheu.

  • OT: Die Chaosschwestern feat. Pinguin Paul
  • Director: Mike Marzuk
  • Screenplay: Mike Marzuk, Korbinian Wandinger, Dagmar H. Mueller
  • Country: Germany
  • Year: 2023
  • Running Time: min. 
  • Cast: Janine Kunze, Denis Moschitto, Felix Klare, Giovanni Francesco, Max Giermann, Janine Kunze, Felix Klare, Michael Lott, Anton Algrang, Riccardo Angelini, Nuriye Jendroßek, Nikola Kress, Barbara Romaner, Niklas Leifert, Riccardo Campione, Alexander Wilbert, Julian Janssen, Werner Hohenegger, Momo Beier, Lilit Serger, Cara Vondey, Rona Regjepi
  • Image © DCM Filmdistribution 
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