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Anthony Hopkins ist in Afonso Poyarts Mystery-Thriller „Solace“ kein Trost

Anthony Hopkins ist in Afonso Poyarts Mystery-Thriller „Solace“ kein Trost

Es braucht nicht „die super-duper Version von Intuition“, wie der FBI-Psychoanalytiker John Clancy (Anthony Hopkins) seine hellseherische Gabe nennt, um bei Solace, so der passendere Originaltitel, eine böse Vorahnung zu haben. Gedreht wurde Afonso Poyarts Mystery-Thriller um einen Serien-Killer (Colin Farrell), der Todkranken vor einem langsamen, qualvollen Sterben bewahrt, bereits 2013. Das Drehbuch von Sean Bailey und Ted Griffin lag bei den Produzenten allerdings schon seit 15 Jahren in der Schublade.

Damals war David Finchers Se7en noch in guter Erinnerung. Vielleicht in zu guter, denn die unübersehbaren Anleihen beim Kult-Streifen von 1995 machen die Schwächen der schematischen Story umso deutlicher. Dabei war Poyarts US-Debüt sogar zeitweise als Sequel zu Se7en mit Morgan Freeman in der Hauptrolle in der Diskussion. Was von Freemans Rolle übrig blieb, übernimmt Anthony Hopkins. Mit Hannibal-Lecter-Blick und einem Lächeln, das sein FBI-Kumpel Agent Joe Merriwether (Jeffrey Dean Morgan) so oft „wunderschön“ nennt, dass es direkt unheimlich wirkt. Das war’s dann auch mit Spannung in dem fahrig konstruierten Plot, dessen deutscher Verleihtitel wie unfreiwillige Ironie wirkt. Fast alle Wendungen sind vorhersehbar. Schuld daran ist vor allem Poyarts prahlerische Inszenierung voller kamera- und computertechnischer Spielereien. Sie drosseln nicht nur das Tempo, sondern lassen viel zu viel erkennen. Für den Zuschauer sind Clancys Visionen eindeutig. Da wundert es, dass dem geübten Ermittler deren Bedeutung nicht sofort einleuchtet.

Augenscheinlich waren sich die Autoren selbst nicht einig über die Fähigkeiten John Clancys, dessen Initialen J. C. Zu denken geben. Anfangs scheint es, er erkenne nur Bruchstücke aus Zukunft und Vergangenheit der Menschen, die er berührt. Dann wiederum weiß er präzise Details anhand von Gegenständen und sieht ausführliche Was-wäre-wenn-Szenarien. Eines ist der Tod seiner jungen Kollegin Katherine Cowles (Abbie Cornish), die Clancy an seine an Leukämie verstorbene Tochter erinnert. Für ihn eine persönliche Motivation an dem Fall weiter zu arbeiten, aus dem er eigentlich aussteigen wollte. Doch Clancy kann den Killer, der seinen Opfern ein leidvolles Dahinsiechen erspart, nur zu gut verstehen. Ein Umstand, der dem mit – wie Hopkins Figur wohl sagen würde – der „mega-super-duper Version von Intuition“ ausgestatteten Täter sehr bewusst ist. Das kontroverse Thema Sterbehilfe allerdinsg dient dem glatten Psycho-Thriller lediglich als Aufhänger für ein Katz-und-Maus-Spiel aus der Retorte. Wie wenig die Filmemacher von ihrer Thematik verstehen, zeigt die Tatsache, dass bei ihnen die Entscheidung für Leben oder Tod stets fremdbestimmt erfolgt.

Wer vom Staat oder womöglich gar Gott persönlich auserwählt ist, darf sich zum Richter aufschwingen. Die Betroffenen selbst haben kein Mitspracherecht. Somit zeigt die Handlung letztlich nur eine andere Form der institutionalisierten Bevormundung, der die legale Freitodbegleitung entgegen steht. Der einzige Trost ist da, dass das Ganze nicht zur Fortsetzung von Se7en wurde.

  • OT: Solace
  • Regie: Afonso Poyart
  • Drehbuch: Ted Griffin, Sean Bailey
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2015
  • Laufzeit: 101 min.
  • Cast: Anthony Hopkins, Abbie Cornish, Jeffrey Dean Morgan, Colin Farrell, Xander Berkeley
  • Kinostart: 31.12.2015
  • Beitragsbild © Concorde