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Sang- und klanglos: „Love is in the Air“ nervt bei Berlinale Generation

Sang- und klanglos: „Love is in the Air“ nervt bei Berlinale Generation

Hi, hier ist Lina mit dem süßen Lächeln. Wollen wir uns treffen?„, Der Spruch klingt ein bisschen wie die billige Anmache einer Telefonsex-Hotline, doch Daniel (Gustav Hintze) schwebt trotzdem auf einer Wolke Sieben aus rosaroter Zuckerwatte. Noch süßer als die ist Lina und noch rosaroter ihr Lipgloss. Den trägt die junge Möchtegern- Sängerin ebenso dick auf wie Simon Staho es in seinem quirligen Kitsch-Kinderfilm. Aufgedreht und überdreht ist das tumbe Kitsch- Kompendium, dessen anstrengender Mix aus Miniplayback-Show und Pseudo-Camp zu infantil und armselig ist, als dass man ihm seine Kopflosigkeit vorwerfen könnte.

Den Erfolg bei seiner Angebeteten (Emma Sehested Hoeg) verdankt Daniel der Taktik aufdringlicher Schleimigkeit. Die empfiehlt ihm Kumpel Stefan (Anton Honik), der damit bei Disco-Blondinen ebenso erfolgreich ist wie bei seiner besten Freundin Theresa (Victoria Carmen Sonne). Die fordert vehement Erlösung von ihrer Jungfräulichkeit durch Stefan, dessen Herz heimlich für einen anderen aus der konzertierenden Clique schlägt: Daniel, seinerseits hoffnungslos scharf auf Lina, die nur Augen für Pop-Star Niklas Ravn hat. Die Sexversessenheit der Plot-Parodie lässt die Filmautoren noch verdrehter erscheinen als das Figuren-Quartett, das Theresas Geburtstagsnacht von Theresa im Zeichen von Songs & Sex zelebriert.

Erste sind so unterirdisch, dass selbst Lina in einer unfreiwillig ironischen Szene ihre Ohren zuhält. Die Dialoge stehen dieser Abgründigkeit nicht nach: „Würdest du meine Penis-Zigarre anzünden?“ Nee, lieber nicht. Aber stattdessen das Filmmaterial abfackeln, das wäre was. Immerhin zeigt das megalomanische Musical voller Flitter und Glitter, was sich mit Second-Hand-Klamotten und Faschingsschminke an Filmausstattung konstruieren lässt. Bonus: Das beste modische Accessoire der diesjährigen Berlinale. Nein, nicht die leuchtenden SM-Lackstiefel, deren Höhe KISS würdig wäre, und welche die Mädchen bei einem spontanen Ladeneinbruch mitgehen lassen (die Ladeninhaber sind ihnen sicher dankbar, den Ramsch lossein).

Es ist der aus einer asiatischen Tageszeitung gefaltete Matrosenhut. Einen solchen Papierhut basteln ist eine gute Methode, um sich vom Flackern diverser Leuchtmittel, quäkendem Gesang und des aus Rauschgold und Vulgärwitzen zusammengehefteten Humbugs abzulenken. Erwähnter Einbruch ist übrigens einer der zahlreichen Beweise dafür, das Verbrechen nicht bestraft wird, sei es Nötigung, Belästigung, Diebstahl oder Vandalismus. Gleiches gilt für filmische Verbrechen wie den dänischen Teenie-Klamauk, dessen Unmusikalität sich bei aller Liebe nicht ertragen lässt. Mit Daniels Worten: „Bitte sing diesen Song nie wieder!

  • Regie: Simon Staho
  • Produktionsland: Dänemark
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 84 Min.
  • Beitragsbild © Berlinale