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Berlinale ’11: „Submarine“ taucht ab in Teenage Weirdness

Berlinale ’11: „Submarine“ taucht ab in Teenage Weirdness

Oliver Tate (Craig Roberts) schreibt seltsame Notizen in sein Tagebuch und hat noch seltsamere Gedanken. Oliver Tate trägt eine missglückte Pilzkopffrisur und dauernd den gleichen halb zugeknöpften Parker. Aber, verdammt, vielleicht sieht Oliver Tate, ob Pilzkopf oder Parker, gerade deshalb wie ein ungelenker junger Beatle aus und vielleicht heißt Richard Ayoades Kinodebüt deshalb Submarine (ohne „Yellow“). 

Oliver Tate ist der Protagonist mit dem höchsten Identifikationspotenzial dieser Berlinale. Ständig vergleicht der 15-Jährige sein Leben mit einem Film und gesteht einen Wunsch ein, den fast jeder Filmfan teilt: „Manchmal wünschte ich, mir würde eine Filmcrew folgen.“ Aber wenn die Dinge sich nicht bessern, fürchtet der Held der zärtlich-herben Brit-Comedy nach Joe Dunthornes gleichnamigem Roman, wird es nur für eine Biografie reichen. Als ironische Referenz an den Hauptcharakter ist die Story romanesk in Kapitel und Showdown, komplett mit Epilog, unterteilt. Für ein Kino-Date wählt er Carl Theodor Dreyers Joan of Arc, einen der Lieblingsfilme Ingmar Bergmans, dessen Werk die die Berlinale-Retrospektive zeigt. 

Dazu stellt er offen die skurrilen Alltagsfragen, die fast jeden mitunter quälen: Warum ist es üblich, dass man an seinem Geburtstag den Kollegen oder Mitschülern Kuchen mitbringt? Und wieso ist das Leben keine Vorabendserie, die abblendet, wenn es ganz schlimm um die Figuren steht? Oliver Tate lebt in einer tristen Kleinstadt in Wales, wo es das gefühlte ganze Jahr über regnet und der örtliche Vergnügungspark ständig geschlossen hat. Die Waliser (so formulierte es eine Kollegin während der Pressevorführung) haben „so eine melodische Sprache, dass sie praktisch immer singen“. Die schräge Coming-of-Age-Comedy also unbedingt in der Originalfassung ansehen. 

Olivers zum Spießer-Dasein verdammte Mutter Jill (Sally Hawkins), sein apathischer Vater, dem ihre Liebe quasi durch die Finger rinnt, und der bizarren Meditations- und Liebespraktiken huldigende Nachbar Graham (Paddy Considine), der Jill mit seinem Esoterik-Charme zu benebeln droht, lasten als drohende Lebens(auslaufs)modelle auf dem Außenseiter. Der steckt unterdessen in der multiplen Krise und der ersten Romanze mit der eigenwilligen Jordana (Jasmin Paige), mit der er einmal gemeinsam herzförmige Plastiksonnenbrillen aufsetzt. Durch eine solche inszeniert auch Regisseur und Drehbuchautor Richard Ayoade den Mix aus sprödem Humor, Tragik und Trost.

  • OT: Submarine
  • Regie: Richard Ayoade
  • Drehbuch: Richard Ayoade
  • Produktionsland: UK, USA
  • Jahr: 2010
  • Laufzeit: 94 min.
  • Cast: Craig Roberts, Yasmin Paige, Noah Taylor, Sally Hawkins, Paddy Considine, Gemma Chan
  • Beitragsbild © Berlinale / Kool
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