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Berlinale ’19: „When Tomatoes Met Wagner“ – köstliches Porträt eines griechischen Bio-Kollektivbetriebs

Berlinale ’19: „When Tomatoes Met Wagner“ – köstliches Porträt eines griechischen Bio-Kollektivbetriebs

Klasse oder Masse? Wagner oder Volksmusik? Ständiges Diskussionsthema zwischen Christos und Alexandros, Cousins und Tomatenbauern in Elias, einem griechischen Ort mit 33 Einwohnern. Da fehlt keine Null, 33 Personen sind hier im Nirgendwo noch verblieben. Alle sind betagt und fast alle beschäftigt in dem Kollektivbetrieb, den die greisen Anwohnerinnen mit den zwei Cousins gegründet haben. Ihre Waren sind Honig und Tomatengerichte, eingekocht nach eigenen Rezepten. Die Zutaten sind biologisch und regional, jede Tomate handgepflückt und mit spürbarer Hingabe zubereitet. Das Qualitätsprodukt zu vermarkten ist jedoch eine Herausforderung, für die der Lebensabend der reifen Jungunternehmerinnen womöglich zu kurz ist.

Wagner macht Tomaten saftiger (meint Christos), griechische Volksmusik steigert den Ernteertrag (meint Alexandros). Das und die kuriose Kolumbus-Anekdote, die Christos potenziellen Großhandelskunden auftischt, sind nicht die entscheidenden Geschichten der musischen Früchte. Es sind die vielen kleinen Erlebnisse aus Vergangenheit und Gegenwart der alten Damen, die in der Gemeinschaftsarbeit ein wirksames Mittel gegen Vereinsamung und Lethargie gefunden haben. Marianna Economou beobachtet sie in ihrer unprätentiösen Dokumentation ohne falsche Sentimentalität  oder Romantisieren. Ihr pointiertes Gruppenporträt verliert nie den Blick für die marktwirtschaftliche Realität jenseits des verschlafenen Ortes, der bald verschwunden sein wird. Und mit ihm die sprühend lebendige Tomatenküche.

  • OT: When Tomatoes Met Wagner 
  • Regie: Marianna Economou
  • Drehbuch: Marianna Economou
  • Produktionsland: Griechenland 
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 72 min. 
  • Beitragsbild © Berlinale 
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