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Berlinale ’19: Jonah Hills „Mid90s“ – Fake-Nostalgie & kommerzialisierter Zeitgeist im Panorama

Berlinale ’19: Jonah Hills „Mid90s“ – Fake-Nostalgie & kommerzialisierter Zeitgeist im Panorama

In seinem selbstverliebten Regiedebüt erzählt Jonah Hill keine Geschichte über Charaktere, sondern ein Märchen. Das Märchen davon, was für ein lässiger, zerrissener und süßer (so süß, dass ältere Mädchen seufzen: „Du bist sowas von süß!„) Junge (Sunny Suljic) er doch gewesen sei. Damals ist in den Mid90s, als alles besser war: die Musik, die der Soundtrack als zum Modeaccessoire degradierten Zeitgeist aus der Retorte reproduziert. Die Klamotten, die dank des Retro-Trends heute nebenan im Fashion-Discounter hängen. Und natürlich das Kino, dessen Klischees Hill alle gefressen hat und jetzt vor Publikum hochwürgt und wiederkäut. 

Hill will wie sein eindimensionaler Hauptcharakter nicht bloß cool sein, sondern immer schon cool gewesen sein. Sein profilloses Komposit aus Coming-of-Age-Story und Teenie-Drama ist keine Hommage an die Jugendzeit oder ein Lebensgefühl, sondern an sich selbst. Wie für Stevie das Skaten nur ein Mittel zum Zweck ist, zu den vermeintlich coolen Typen zu zählen, dient Hill das Medium Film als Vehikel zur Selbstdarstellung. Die praktiziert er gleich im Doppelpack: hinter der Kamera als Indie-Filmer und auf der Leinwand. Dort kanalisiert er ein unglaubwürdiges Alter Ego inmitten einer konstruierten Vergangenheit. 

Den Eindruck eines überlangen Werbespots verstärkt der kalkuliert unebene Look des auf hippen 16mm-Materials und der scheinbar aus einem Gap-Katalog kopierte Style der eindimensionalen Figuren. Damit trotzdem die Illusion von Charakteraufbau aufrechterhalten wird, informiert Stevies Kumpel Ray (Na-kel Smith) in einer exemplarisch plumpen Szene über deren Schicksale. Jedes davon, sogar das von Stevies Teenage-Mom Dabney (Katherine Waterston) wäre spannender als das im Fokus. Der unerträglich selbstreferenzielle Plot zelebriert den gleichgültigen Konsum einer Subkultur durch den Mainstream, den sämtliche popkulturelle Versatzstücke der Hymne auf vorpubertäre Pseudo-Rebellion und kommerzialisierte Nostalgie hofieren. 

  • OT: Mid90s
  • Regie: Jonah Hill
  • Drehbuch: Jonah Hill
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 85 min. 
  • Cast: Katherine Waterston, Lucas Hedges, Sunny Suljic, Jerrod Carmichael, Alexa Demie, Stephane Nicoli, Cici Lau, Margaret Newborn, Kasey Elise, Jax Malcolm, Di Vinci SanTana, Na-kel Smith, Lauren B. Mosley, Nicholas Edmunds, Zachary Read
  • Kinostart: 07.03.2019
  • Beitragsbild © Berlinale/ A24
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