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Berlinale ’19: „Flatland“ setzt im Panorama Standards für plattes Pseudo-Empowerment

Berlinale ’19: „Flatland“ setzt im Panorama Standards für plattes Pseudo-Empowerment

Nettigkeit bringt gar nichts. Wenn Jenna Cato Bass’ Pastiche aus Western, Road Movie, Cop-Thriller, Ehemelodram, Buddy-Movie, Pferdekinderfilm, Krimi, Teenie-Comedy und Sozialschnulze irgendetwas klar rüberbringt, dann das. Aus Sicht der Regisseurin und Drehbuchautorin, die im vergangenen Jahr mit High Fantasy ihr Spielfilmdebüt auf der Berlinale vorstellte, ist das vermutlich ein Erfolg. Denn was ihr filmischer Flickenteppich vor all den anderen aufgezählten Genrevertretern sein will, ist ein Message-Movie. Beim Vermitteln einer Botschaft hilft es bekanntlich ungemein, zu wissen, wie diese lauten soll. Soweit haben die Filmemacherin, ihr Team und die Zuständigen bei der Vergabestelle für Filmfördergelder leider nicht gedacht. 

Der Gedankengang war wohl eher: „Hey, was mit drei Frauen als Hauptfiguren von einer Frau gedreht. Das verkauft sich gut unter den Labels ‚Empowerment‘ und ‚Feminismus‘.“ Oder er war: “Perfekt, ein Film von einer Frau über Frauen, der sämtliche weiblichen Charaktere als inkompetent, strunzdumm, männerversessen, neurotisch, oberflächlich, unaufrichtig oder eine Kombination daraus darstellt, und jede feministische Agenda damit ad absurdum führt!“ Zugegeben, die zweite Option klingt mehr nach den Feindbildern aus dem Kopf der Filmemacherin, die der frischverheirateten Natalie (Nicole Fortuin) und ihrer hochschwangeren Kindheitsfreundin Poppie (Izel Bezuidenhout) auf ihrem Trip durch das titelgebende Nirgendwo immer wieder über den Weg laufen.

Typen wie Natalies Gatte, ein weißer korrupter Muttersöhnchen-Vergewaltiger-Schläger-Cop. Oder der Ex, hinter dem Polizistin Beauty (Faith Baloyi) noch mehr hinterher ist als den flüchtigen Frauen, ein feiger Ex-Knacki-Brudermörder-Trinker. Supernuanciert ist auch Poppies Baby-Daddy, ein dauergeiler, verantwortungsloser, verlogener Pädo-Predator. All diese Gestalten und noch einige wie einen frauenverachtenden Tierquäler-Prediger mit Querschnittslähmung müssen wir ertragen, wegen zu viel Nettigkeit. Seitens der Filmförderung, aber auch der Filmkritik, die Bass’ ersten Spielfilm trotz dessen unübersehbarere Schwächen nicht konsequent verrissen hat. Von wegen „wohlwollende Grundhaltung“, eben Nettigkeit und so. Was das bringt? Nichts. Höchstens noch mehr, noch schlechtere Filme.

In ihrem zweiten Spielfilm führt Jenna Bass eindrucksvoll vor, wie miserabel ein Werk auf technischer, darstellerischer, dramaturgischer, inhaltlicher und konzeptueller Ebene sein kann und dennoch mit einem Platz auf einem A-List-Festival belohnt wird. Grotesker als die stereotypen Protagonisten und der aberwitzige Plot, der Klischees aus rund einem Dutzend Genres für die inkohärente Ereignisabfolge recycelt, ist die Behauptung einer Aussage von weiblicher Selbstermächtigung. Nur weil Frauen daran mitwirken oder in der Story vorkommen, ist ein Film noch lange nicht feministisch oder handelt von „Empowerment“. Wer’s nicht glaubt, soll es sich anschauen. Oder nein, besser nicht. 

  • OT: Flatland 
  • Regie: Jenna Cato Bass
  • Drehbuch: Jenna Cato Bass
  • Produktionsland: Südafrika, Deutschland, Luxembourg 
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 117 min. 
  • Cast: Nicole Fortuin, De Klerk Oelofse, Faith Baloyi, Izel Bezuidenhout
  • Beitragsbild © Berlinale
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