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Kitsch kills: Disney’s „The Nutcracker and the Four Realms“ recycles „Alice“ and „Oz“

Kitsch kills: Disney’s „The Nutcracker and the Four Realms“ recycles „Alice“ and „Oz“

Nachdem erst Tim Burton Alice in Wonderland, dann James Bobin Through the Looking Glass in protzigen Kulissen und Kostümen begraben durften und Bill Condon letztes Jahr Beauty and the Beast in Kitsch und Klamauk erstickte, treibt nun Schnulzen-Garant Lasse Hallström dem Nussknacker mit derselben Methodik die Seele aus. Wenn es Geld zu machen gilt, kennt Disney bekanntlich nichts: keine Wertschätzung gegenüber E.T.A Hoffmanns Geschichte oder Tschaikowskis Ballett und nicht einmal deren Inhalt. Den verdrängt eine generische Fantasy-Mär ohne Geist, Charme und Vorstellungskraft.

Kurioserweise ist es ausgerechnet die der beinah zur Erwachsenen gealterten Clara (Mackenzie Foy) zugesprochene Cleverness, die der uninspirierten Doppel-Adaption fehlt. Mit der Originalhandlung wissen Hallström und Joe Johnston offenbar nichts anzufangen, weshalb sie außer einer Handvoll Galionsfiguren wie der Zuckerfee (Keira Knightley), Onkel Drosselmeyer (Morgan Freeman) und der nur bei Tschaikowski auftretenden Mutter Gigoen (Helen Mirren) kaum Elemente daraus umsetzen. Alles Phantastische, Spukhafte, Freudianische, dass den anhaltenden Reiz von Hoffmanns Erzählungen ausmacht, weicht seelenlosem Spektakel und nerviger Verniedlichung. Traurigstes Beispiel dafür sind die ursprünglichen Titelcharaktere. 

Nussknacker (Jayden Fowora-Knight) und Mäusekönig sind statt Personifizierungen der moralerzieherischen Gegenpole Edelmut und Instinkt lediglich drollige Sidekicks Claras. Sie lernt eine Lektion über die Bedeutung von Tradition und altbackenen Familienwerten, deren Biederkeit holprige Action-Nummern kaschieren sollen. Den extra Kommerz-Kick passend zum Kinostart zur Weihnachtssaison liefert eine CGI-Winterwunderlandschaft, voll Eisläufer, Weihnachtsbäume und leise rieselndem Schnee. Kaufhaus-Plastikdeko verströmt mehr Liebe und Kreativität als der überladene Rahmen endloser Repetitionen der bekanntesten Passagen der populärsten Stücke des Ballets. Dessen Anmut ersetzt eine kalkulierte Nummern-Revue.

  • OT: The Nutcracker and the Four Realms
  • Regie: Lasse Hallström, Joe Johnston
  • Drehbuch: Ashleigh Powell, Tom McCarthy, E.T.A. Hoffmann
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 99 min. 
  • Cast: Mackenzie Foy, Keira Knightley, Helen Mirren, Morgan Freeman, Jack Whitehall, Matthew Macfadyen, Ellie Bamber, Richard E. Grant, Miranda Hart, Eugenio Derbez, Misty Copeland, Sergei Polunin, Omid Djalili
  • Kinostart: 01.11.2018
  • Beitragsbild © Walt Disney