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Berlinale ’13: „The Best Offer“ vermurkst solide Darsteller & eine originelle Idee

Berlinale ’13: „The Best Offer“ vermurkst solide Darsteller & eine originelle Idee

Die Liebe zur Malerei und die Fertigkeit einen Pinsel zu halten machten einen nicht zum Künstler. Man brauche ein inneres Mysterium. Hochtrabende und tiefschürfende Floskeln wie diese rühren an das essenzielle Manko Giuseppe Tornatores eklektischen Thrillers. Kunst ist nicht Kunsthandwerk und noch weniger Kunstgewerbe. Zu Letztem reicht bestenfalls das mokante Kulissenkino um Antiquitätenhändler Virgil Oldman (Geoffrey Rush), der erst dem Konstrukt einer Frau und dann dieser selbst verfällt. Für die interdisziplinären Möglichkeiten der Story ist dessen Regisseur und Drehbuchautor so blind wie Virgil das offenbare Komplot.

Für bewegte Bilder gilt wie für unbewegte: Renommierte Darsteller in geschliffener Szenerien zu Ennio Morricones Komposition abzufilmen, beweist weder einen Künstler noch Kunst. Diese schmähliche Tatsache ignoriert Tornatore ähnlich stur wie sein misanthropischer Protagonist sämtliche Warnzeichen, die seine sexuelle Wunschphantasie als Falle ausweisen. Den Preis für die Selbstgenügsamkeit bezahlt das Publikum. Was ein psychografischer Kunstkrimi sein könnte wird eingepfercht in pompöse Settings, deren vertrocknete Ästhetik den rapiden Verfall von Logik und Spannung kaschieren soll. Doch eine passable Fälschung wird peinlich, fordert sie das Prestige eines Originals.

Hinter dem autoritären Zeremoniell sind Hauptfigur und Story pompöse und kläglich. Das gilt noch mehr für die perverse Besitzgier, die der psychografische Plot verbrämt. Virgils notgeile Altherrenphantasie wird stilisiert. Der dezidiert männliche (Kamera)Blick, der Frauen als Sammlerobjekte abschätzt und verfolgt, wird nie kritisch gebrochen. Aufgeblasene Allegorie zelebriert die ausufernde Mystery-Mär bis zum Überdruss und behauptet zum Selbstschutz konstatiert, in jeder Fälschung läge etwas Authentisches. Im Fall des musealen Möchtegern-Meisterwerks ist es bloß authentisches Versagen. Das höchste Gebot dessen, was Tornatore filmkünstlerisch aufbringen kann, ist leicht zu überbieten.

  • OT: La migliore offerta
  • Regie: Giuseppe Tornatore
  • Drehbuch: Giuseppe Tornatore
  • Produktionsland: Italien
  • Jahr: 2013
  • Laufzeit: 123 min.
  • Cast: Geoffrey Rush, Jim Sturgess, Sylvia Hoeks, Donald Sutherland, Philip Jackson, Dermot Crowley, Liya Kebede, Anton Alexander, Rajeev Badhan, Laurence Belgrave, Sean Buchanan, Brigitte Christensen, Sylvia De Fanti, Maximilian Dirr, Katie McGovern
  • Kinostart: 21.03.2013
  • Beitragsbild © Warner Bros.