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Crash & Burn, Feen-Franchise! „Tinker Bell: Secret of the Wings“ ist süßlich & seicht

Crash & Burn, Feen-Franchise! „Tinker Bell: Secret of the Wings“ ist süßlich & seicht

Ist das jetzt ein Insidergag, eine Referenz an den Disney-Kanon oder einfach das Resultat totaler Einfalls- und Ambitionslosigkeit? Zu Beginn des flatterhaften 3D-Abenteuers wünscht sich Tinker Bell (Mae Withman) „A whole new world!“. Ja, genau, wie damals ihre Disney-Schwester Arielle. Deren Anfang musste Regisseurin Peggy Holmes vor ein paar Jahren in einem ähnlich redundanten, konsequent kommerzorientierten Prequel verpacken. Vielleicht war die Erfahrung so gruselig, dass von „unter dem Meer“ (Los, mitsingen, ALLE!) traumatische Erinnerungsfetzen hoch blubberten und sich in den klebrig-süßen Feen-Firlefanz einschlichen.

Fast tröstlich, dass an der ebenso angestrengten wie anstrengenden Geschichte um Sommerland und Winterwälder nicht nur das Publikum leidet. Oh, war das ein gemeiner Gedanke? Nein, nein, nein, solche sind tabu im verzuckerten Zauberreich, wo alle im Grunde ihres Herzens oder im Falle der eindimensionalen Hauptfigur absolut und ohne Ausnahme gut sind. Sogar Ex-James-Bond Lord Milori (Timothy Dalton) ist nicht wirklich der kaltherzige Mr. Freeze, als der er zuerst auftritt. Nur nicht, dass ein winziges Bisschen Konfliktstoff, Komplexität oder Animosität die Saccharin-Story versalze.

Holmes, ihre Co-Drehbuchautoren Ryan Rowe, Tom Rogers und Roberts Gannaway und all die ungenannten Schreiberlinge, die das seichte Lehrstück zusammenstoppelten, trauen der Zielgruppe weder Mit- noch Nachdenken zu und sowieso kein Verständnis für altersgerechte Problematik. Denn die Konsumenten, auf die der vierte Teil von Disneys „Fairies“-Franchise abzielt, sind in den Augen der Produzenten ja nicht einfach Kinder – sie sind Mädchen. Und bekanntlich gilt im kinderorientierten Kommerz-Sektor: Hohl und anspruchslos ist gut genug für Kinder, das Hohlste und Anspruchsloseste ist gut genug für Mädchen.

  • OT: Tinker Bell: Secret of the Wings
  • Regie: Peggy Holmes
  • Drehbuch: Ryan Rowe, Tom Rogers, Peggy Holmes, Roberts Gannaway
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 75 min.
  • Cast: Lucy Hale, Anjelica Huston, Mae Whitman, Lucy Liu, Jesse McCartney, Megan Hilty, Matt Lanter, Timothy Dalton, Raven-Symoné, Pamela Adlon, Rob Paulsen, Jeff Bennett, Jane Horrocks, Angela Bartys
  • Kinostart: 15.11.2012
  • Beitragsbild © Walt Disney