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Michael-Bay-Produktion „I Am Number Four“ ist so intelligent & phantasievoll wie der Titel. Also gar nicht.

Michael-Bay-Produktion „I Am Number Four“ ist so intelligent & phantasievoll wie der Titel. Also gar nicht.

Die Dramatik seines Kiddie-Actioners beschreibt Produzent Michael Bay als die eines Teenagers, der alles findet, wonach er gesucht hat, aber es nicht haben kann: „Weil er zuerst die Welt retten muss.“ Hat Bay vor Dramatik einfach das „Melo“ vergessen hat oder plante er bereits eine komplette Filmreihe basierend auf der gleichnamigen Bestseller-Serie von Pittacus Lore? Sollte das lachhafte Pseudonym von James Frey & Jobie Hughes nicht eine Warnung vor deren schriftstellerischen Fähigkeiten sein? Macht es Sinn, bei einem Michael-Bay-Produkt Fragen bezüglich der Qualität zu stellen?

Die Story um Alien-Söhnchen John (Alex Pettyfer), der mörderischen Verfolgern entkommen, Schulkameradin Sarah (Dianna Agron) erobern und dann noch die Sache mit der Weltrettung erledigen muss, liefert die Antwort. Aus Alien-Invasion-Film, Superheldengeschichte und Jugenddrama konzipierte Regisseur D. J. Caruso einen kruden Science-Fiction-Thriller, der sich großzügig bei anderen Werken des Unterhaltungskinos bedient. Die roten und blauen Lichtwaffen, mit denen John und der dämonische Alien-Commander (Kevin Durand) fechten, erinnern an die Laserschwerter aus Star Wars, John und sein schmächtiger Freund Sam (Callan McAuliffe) ähneln so sehr einem Superhelden und dessen Sidekick, dass man fast erwartet, sie im Batman- und Robin-Kostüm auftreten zu sehen und Alien-Kriegerin Nummer Sechs (Teresa Palmer) gleicht in ihrer Motorradkluft einer jungen Version von Pamela Anderson in Barb Wire. 

Wenn ein Film sich seine Versatzteile zusammenklappt, sollen daraus wenigstens etwas Sehenswertes basteln, aber selbst daran scheitert der tumbe Abzählreim aus Action-Nummern. Geprägt wird der phantasielose Plot von der für Bay charakteristischen Mischung aus Doppelmoral, Gewaltverherrlichung, Gehorsamsdoktrin, Xenophobie und Chauvinismus. Die unfertige Handlung, die schematische Figurenetablierung und schließlich das offene Ende mit Verweis auf eine Fortsetzung ergeben statt eines eigenständigen Werks bestenfalls die Pilot-Folge einer TV-Serie. Von den zahlreichen angerissenen Erzählsträngen bleibt ein wirrer Haufen loser Enden. Die zu etwas zusammenzufügen, dass ansatzweise einer Geschichte mit greifbaren Protagonisten entspricht, bleibt Aufgabe von I Am Number Five. Oder einem ähnlich dümmlich betitelten Sequel, das hoffentlich nie kommt.

  • OT: I Am Number Four
  • Regie: D.J. Caruso 
  • Drehbuch: Alfred Gough, Miles Milar, Marti Noxon 
  • Produktionsland: USA 
  • Jahr: 2010 
  • Laufzeit: 110 min.
  • Cast: Alex Pettyfer, Teresa Palmer, Timothy Olyphant, Dianna Agron, Callan McAuliffe, Kevin Durand 
  • Kinostart: 18.02.2011
  • Beitragsbild © Walt Disney
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