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„Niko 2“ liefert den Nachschlag an Rollenstereotypen, Familienwerten & Kitsch

„Niko 2“ liefert den Nachschlag an Rollenstereotypen, Familienwerten & Kitsch

Die Guten sind ja immer so berechenbar“, knurrt in Kari Juusonens und Jørgen Lerdams Fantasyabenteuer die heimtückische weiße Wölfin. Sie will dem Titelcharakter und dessen tierischen Freunden ans Fell, an das es ihrem Bruder im Vorgänger Niko – Ein Rentier hebt ab ging. Der finnische Animationserfolg schaffte sogar eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis, aber das es zu dem süßlichen Moralmärchen eine Fortsetzung geben würde, hat dennoch keiner ernstlich erwartet. Das 3D-Kinodebüt des Co-Regisseurs Kaari Juunsonen war nämlich gar keiner von den Guten (Kinderfilmen). Berechenbar ist es trotzdem und berechnend noch mehr. 

Die Suche des kleinen Rentier-Jungen Niko (Sprecher: Eric Carlson) nach seinem Vater, der als Mitglied der Fliegenden Truppe des Weihnachtsmanns Rentier-Mutter Oona (Elina Knihtilä) und Sohn den Rücken gekehrt hat, war in knapp 80 Minuten gründlich auserzählt. Da der über 700.00 Zuschauer_innen das Vehikel zur Vermittlung altbackener Familienwerte und -rollenbilder zur Weihnachtszeit im Kino sehen wollten, gibt es nun die zweite Partie mieser Animationen, zähen Sentiments und dröger Lehrsätze, vorgetragen von nervigen Figuren wie Wiesel Wilma (Vuokko Hovatta), Flughörnchen Julius (Mikko Kivinen) und natürlich Niko. Der Kleine ist mittlerweile, wie der Titel andeutet, der Große. Halbbrüderchen Jonni (Juhana Vaittinen) sorgt für Tapsigkeit und die nötige Süße, dank der die angeranzte Moralpille dem Publikum besser schmeckt. 

Kaari Juunsonen, der bereits den ersten Teil inszenierte, und Co-Regisseur Jorgen Lerdam haben die aufgesetzten Konflikte ihres kitschigen Kommerzkinos in die bekannte penetrant niedliche Merchandising-Ästhetik verpackt. Doch anstrengender als die lieblose Optik ist die belehrende Scheinheiligkeit der bemühten Handlung. Eklatant ist neben antiquierten Genderstereotypen die Heuchelei, mit der Verantwortung und Zusammenhalt gepredigt werden. Tatsächlich idealisiert der uninspirierte Plot die stupide Akzeptanz etablierter Autorität, vorgefasste Feindbilder, ein undifferenziertes Gut-Böse-Schema und Vorspiegelung. Nicht nur lügen fast alle Protagonisten, das Darstellen familiärer Eintracht trotz unterliegender Konflikte wird reichlich romantisiert. Hey, das ist doch mal eine vorweihnachtliche Botschaft, die zur Realität passt. 

  • OT: Niko 2 – lentäjäveljekset 
  • Regie: Kari Juusonen, Jørgen Lerdam
  • Drehbuch: Marteinn Thorisson, Hannu Tuomainen
  • Produktionsland: Finnland
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 79 min.
  • Kinostart: 01.11.2012
  • Beitragsbild © Universum