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Klassiker des New Queer Cinema: „Swoon“ im Berlinale Forum

Klassiker des New Queer Cinema: „Swoon“ im Berlinale Forum

Let´s misbehave!, lockt Cole Porters Stimme in der Anfangs- und Schlussszene von Tom Kalins enigamtischer Studie und bringt in den wirbelnden Rhythmen all den lockenden und romantisierten Reiz des Verbrechens in der Ära der Prohibition zum Ausdruck. Die mörderische Affäre im Zentrum seines Independet-Kultfilms ist die Hassliebesbeziehung von Richard Loeb (Daniel Schlachtet) und Nathan Leopold (Craig Chester, Jr.) , die für den im Mai 1924 begangenen Mord an Richards 14-jährigem Cousin (Paul Connor) zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Der zum festen Begriff in der Kriminalhistorie gewordene Mordfall Leopold und Loeb inspirierte neben Hitchcocks Rope Mervy Levins umstrittenen Roman Compulsion und dessen Verfilmung durch Richard Fleischer. 

Kalins essentieller Beitrag zum New Queer Cinema richten seinen inszenatorisch und psychologisch gleichermaßen fein austarierten Fokus auf die Mechanismen sexueller Repression und masochistischer Abhängigkeit. „Ich tue, was du willst, wenn du tust, was ich will“, verspricht Richard auf den intellektfixierten Nathan, auf den die kriminelle Energie und perfide Manipulation seines Partners einen hypnotischen Reiz ausübt. Mindestens ebenso wie sein Geliebter motivieren ihn Nietzsche, Darwin und Machiavelli, deren Schriften er zerstückelt und zu einer grandiosen Kollage über alles erhabener Amoral zusammenfügt. Das perfekte Verbrechen soll die Beziehung zu Richard zugleich ästhetisch sublimieren und besiegeln. People who slay together, stay together. 

Die suggestive Kompilation aus Originalaufnahmen, Fotografien und verwaschenen Schwarz-Weiß-Bildern kreiert eine historische (Schein)Authentizität, von der es sich im selben Moment durch melodramatische Stilmittel distanziert. Als Hintergrund der Tat manifestiert sich ein in Elitarismus und Klassismus einer heuchlerischen Oberschicht verwurzeltes Herrendenken. Der scheinbare Widerspruch zwischen dem überdurchschnittlichen Intellekt der Täter und der ihrem amateurhaften Vorgehen verweist auf die psychische Triebkraft ihres verzerrten Selbstbildes. „Du willst gefasst werden, oder?“, fragt Nathan, als die Schlinge der Ermittler sich um sie enger zieht. Die Inszenierung ist erst perfekt, wenn die Nachwelt sie zur Kenntnis nimmt. 

Sarkastisch illustrierte Schlagzeilen von „Angel-faced Leopold und Mastermind Leob“, Hitchcock, Fleischer und letztlich Karin selbst sind alle wissende Komplizen der Heraustraten-Tat zweier Außenseiter, Produkte und Opfer selbstherrlicher Bigotterie. 

  • Beitragsbild © Berlinale