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Berlinale ’11: Verzweifelte Liebesmüh in „Our Grand Despair“

Berlinale ’11: Verzweifelte Liebesmüh in „Our Grand Despair“

Die neue Mitbewohnern wird in der Zweier-WG nur Ärger bringe. Darin sind sich Ender (Ilker Aksum) und Cetin (Fatih Al) einig. Aber das Apartment, das Nihal (Günes Sayin) mit ihren Eltern teilte, ist leer und tot. Noch toter als ihre Eltern, weshalb ihr Bruder Fikret (Baki Davrak) Cetin und Ender bittet, sie vorübergehend aufzunehmen. Toter als tot gibt es eigentlich nicht, nur in Seyfi Teomans melancholisch-beschwingter Komödie. Darauf was geht nach den Klischeegesetzen der Beziehungskomödie achtet der türkische Regisseur und Drehbuchautor wenig. Beim Einzug hängt Nihal sturzbetrunken in der Tür. Behutsam und naiv zeigen die beiden Jugendfreunde ihre Fürsorge. Plötzlich ist aus dem platonischen Liebespaar eine Kleinfamilie geworden. 

Katzen möge sie besonders, erzählt Nihal. Sie sehen alles und geben vor, es kümmere sie nicht. So katzenhaft sind sie und Seyfi Teoman. Jede Gefühlsnuance registriert die unprätentiöse Story zwischen den eigenwilligen Figuren. Die beiden großen Jungs schlendern mit Nihal über einen eingeschneiten Rummelplatz, beobachten sie bei einem Picknick und am Nachtimbiss. Ohne es richtig mitzubekommen, verlieben sich Ender und Cetin in die junge Frau, die wie nebenbei über ihre Trauer hinweg findet. Die titelgebende Verzweiflung vernichtet nicht, sondern führt zu einem neuem Leben. Die in ihrer Eintracht eingeigelten Männer öffnet sie wieder für ihr Umfeld. „Wir werden Daddies sein“, fürchten sie, nur um letztendlich zu erkennen, dass sie sich wie Kinder verhalten. Nihal beginnt die Gefühlswirren erst zu ahnen, als Ender ihr ein selbstverfasstes Gedicht zeigt und Cetin den Apfeltanz. 

Teomans feinsinniges filmisches Narrengedicht, das unbekümmert zwischen tiefschürfenden Dramen im Berlinale Wettbewerb erklingt, ironisiert die banale Tristesse. Hier können Wohnungen sich seelenloser anfühlen als der Friedhof, auf den Cetin und Ender Nihal zum Elterngrab begleiten. Einsamkeit kann frostiger sein als der Park, in dem die drei miteinander spazieren gehen, und zu Dritt sein köstlicher als die Gerichte, welche das Trio teilt. „Sollen wir ins Kino gehen?“, fragt Nihal in einer frühen Szene, als es draußen vor Kälte klirrt. Unbedingt, wenn dort eine ähnlich spaßig-traurige Dreiecksgeschichte zu genießen ist. 

  • Beitragsbild © Berlinale