#movie #review #cinema #critic #film #festival #podcast

Sorry, not sorry: Alison Klayman porträtiert den Gegenwartskünstler in „Ai Weiwei: Never Sorry“

Sorry, not sorry: Alison Klayman porträtiert den Gegenwartskünstler in „Ai Weiwei: Never Sorry“

So Sorry“ Das ist das Epizentrum, das Alison Klaymans facettenreiches Künstlerporträt und dessen trotz Abschweifungen und Umwege zielsicheren Plot erschüttert. Eine fundamentale Verschiebung der Ausgangslage wie das Beben, das vor vier Jahren in der Provinz Sichuan die Erde erschütterte. Ein emotionaler Schock, wie das Beben, das angesichts der humanen Katastrophe die chinesische Bevölkerung erschütterte. Rund 69. 000 Tote gab es laut offiziellen Angaben, weit über 80.000 nach unabhängigen Schätzungen. Offizielle Verlautbarungen und unabhängige Erhebungen in China klaffen oft auseinander. Wie die Erde in Sichuan. Die Abgründe, die sich tektonisch und politisch auftun, verschlingen Menschen.

Manchmal trifft es Tausende in baufälligen Schulen unterrichtete Kinder, manchmal trifft es eine Einzelperson. Der korrupte Staatsapparat ist derart porös, dass jeder künstlerische Anstoß ihre Fassaden einreißt. Ai Weiwei ließ diesen Ruck durch die Bevölkerung gehen, als er vom Oktober 2009 bis Januar 2012 im Münchner Haus der Kunst „So Sorry“ präsentierte. Klaymans Doku zwischen politischem Pamphlet und kunstkritischer Analyse zeigt Ai mit sichtlichen Blessuren der Polizeigewalt in seinem Herkunftsland. „Fuck You, Mutterland“, sagen er und die anderen Teilnehmer eines Kunstprojekts in die Kamera. Vielleicht ist die größte Kunst des überlegten Rebellen die der Selbstinszenierung.

Mein Gegner macht einen Zug. Dann mache ich wieder einen Zug. – Ai Weiwei

Gefragt nach seinem künstlerischen Selbstverständnis beschreibt Ai sich als Schachspieler. Sein provokantes Hinterfragen der staatlichen Zustände im heutigen China parierte die Regierung, indem sie ihn mattsetzte. „So Sorry.“, entschuldigt er die Unmöglichkeit, nach seiner Entlassung auf Bewährung Interviews zu geben. „So Sorry“ sei die Ausrede der Mächtigen überall auf der Welt, bekundet Wei Wei in der Tagline des Films. Spürbares Engagement und schierer Materialreichtum verleihen dem erratischen Regiedebüt trotz seiner zähen Beflissenheit Eindruckskraft. Die letzten Minuten sind ein Aufruf, der die Mehrdeutigkeit des Titels unterstreicht. Ai zeigt sich in seinem Engagement ungebrochen. Klayman scheint entschlossen, es ihm gleichzutun.

  • OT: Ai Wei Wei: Never Sorry
  • Regie: Alison Klayman
  • Drehbuch: Alison Klayman
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 91 min.
  • Cast: Ai Weiwei, Yin Gao, Changwei Gu, Danqing Chen
  • Kinostart: 00.00.0000
  • Beitragsbild © DCM Filmdistribution