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Venice ’23 Out of Competition: „Daaaaaali!“

Venice ’23 Out of Competition: „Daaaaaali!“

Seine Persönlichkeit sei sein größtes Meisterwerk, sagte einst treffend der historische Hauptcharakter Quentin Dupieuxs adeptischen Adoratio. Die hievt dieses Zitat natürlich auf die Leinwand, wo der Superstar des Surrealismus sich zugegebenermaßen ein ebenbürtig exzentrischem Experiment gerechter wird als ein konventionelles Biopic wie Mary Harrons Daliland. Dessen Grund Konstellation ähnelt dennoch auffällig der des französischen Filmemachers, der ebenfalls eine junge fiktive Figur in den kuriosen Kunst-Kosmos des megalomanischen Malers eintauchen lässt. Neu-Journalistin Judith (Anaïs Demoustier) trifft Dali (Édouard Baer, Gilles Lellouche, Jonathan Cohen, Pio Marmaï und Didier Flamand) wiederholt, mal in einer Zeitschleife, mal chronologisch, für ein Interview, das erwartungsgemäß nie stattfindet. 

Dupieuxs referenziert und travestiert nämlich noch ein weiteres Idol mit Dalis Kino-Kollaborateur und Stilverwandten Luis Buñuel. Dessen Discreet Charm of the Bourgeoisie liefert die surreale Struktur, in der sich der Titelcharakter und Gala (Catherine Shaub-Abkarian) sich etwa immer wieder beim selben desaströsen Dinner wiederfinden. Nur sind solche Gags, aus denen die absurde Apotheose sich zusammensetzt, bedeutend witziger in der Theorie als in der eigentlichen Inszenierung. Zweite dient vor allem als Schaukasten der aberwitzigen Einfälle Dupieuxs, der wie der Titel impliziert noch mehr Dali sein will als Dali: Daaaaaali! Kongenial ist daran einzig das überdimensionale Ego, das die Persona des Protagonisten überschattet. 

This bullshit never ends!“, bemerkt einer der diversen Darsteller-Inkarnationen Salvador Dalis angesichts der unermüdlichen Parade surrealer Situationskomik Quentin Dupieuxs kauziger Künstlerkolportage. Dass die bedeutend länger die 79 Minuten Laufzeit wirkt, liegt nicht nur an der systematischen Repetition, die den Mangel origineller Ideen kaschiert. Der idiosynkratische Inszenierung liegt weniger an ihrem prominenten Personell als süffisanter Selbstreferenz, durchzogen von charakteristischem Chauvinismus und ziseliertem Zynismus. 

  • OT: Daaaaaali!
  • Director: Quentin Dupieux
  • Screenplay: Quentin Dupieux
  • Country: France 
  • Year: 2023
  • Running Time: 79 min. 
  • Cast: Pierre Niney, Gilles Lellouche, Alain Chabat, Anaïs Demoustier, Pio Marmaï, Jonathan Cohen, Édouard Baer, Hakim Jemili, Jérôme Niel, Didier Flamand, Monsieur Fraize, Agnès Hurstel
  • Image © Kinology


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