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Fantasy Filmfest `23: „Something in the Dirt“

Fantasy Filmfest `23: „Something in the Dirt“

Vielleicht enthüllt Aaron Moorheads und Justin Bensons metatextuelles Mosaik seine tiefere Bedeutung in Verbindung mit den vorangehenden Kooperationen des kreativen Regie- und Autoren-Duos. Deren gemeinsame Filme, die sich sukzessive zu einem von den gleichen Figuren bevölkerten Kosmos zu verdichten scheinen, teilen mit der fünften Zusammenarbeit eine Reihe Kernmotive: eine vage Endzeitstimmung, existenzialistische Fragen nach dem Davor und Danach auf räumlicher, zeitlicher und körperlicher Ebene und eigentümliche Charaktere, die mitunter von den Filmschaffenden selbst verkörpert werden.

So wie Levi (Justin Benson) und John (Aaron Moorhead), die sich als einzige Bewohner eines heruntergekommenen Apartmentblocks in Los Angeles anfreunden. Die erste Begegnung des vorbestraften Gelegenheitsarbeiters und dem evangelikalen Mathelehrer ist im Grunde kaum weniger bizarr als die schwebenden Quartz-Steine und Lichtblitze, die sie kurz darauf in Levis Wohnung beobachten. In der Hoffnung auf Geld und Respekt beginnen beide eine Amateur-Doku über die unerklärlichen Phänomene, zu denen bald weitere Ereignisse und ominöse Zeichen kommen. 

Einmal auf dem transzendentalen Trip, entdecken die Protagonisten an jeder Ecke der spektral schillernden Stadtkulisse paranormale Paraphernalien, von denen eines zum nächsten führt. Katalysiert die surreale Schnitzeljagd, die wortwörtlich riskante Dimensionen annimmt, die destruktive Dynamik zwischen dem suggestiv und spirituell gleichermaßen empfänglichen Levi und dem sich zum manipulativen Megalomanen entwickelnden John? Oder korrumpieren ihre Differenzen die übernatürlichen Kräfte? Es bleibt eines der rationalen und dramaturgischen Rätsel diese ebenso unterhaltsamen wie undurchsichtigen okkulten Odyssee ins Nichts.

Fazit:

Womöglich soll Justin Bensons und Aaron Moorheads ironische Investigation sich so wenig auflösen lassen wie die in der mäandernden Handlung erwähnten Geschichtsphänomene. So wird die filmische Fingerübung im sarkastischen Sci-Fi-Stil des kreativen Duos zum narrativen Pendant der esoterischen Investigation, beider die Hauptfiguren wortwörtlich abzuheben drohen. In der spukhaften Atmosphäre apokalyptischer Alltäglichkeit entfaltet sich eine zwischen Metatextualität und Metaphysik balancierende Chronik anarchischer Amateur-Alchemie. Gleich einem M.C.Escher-Gemälde fasziniert das paranoide Psychogramm gerade aufgrund seiner idiosynkratischen Irrationalität.

  • OT: Something in the Dirt
  • Director: Justin Benson, Aaron Moorhead
  • Screenplay: Justin Benson
  • Country: USA
  • Year: 2022
  • Running Time: 116 min. 
  • Cast: Aaron Moorhead, Justin Benson, Sarah Adina Smith, Wanjiru M. Njendu, Issa Lopez, Vinny Curran, Jeremy Harlin, Gille Klabin, C. Robert Cargill, Liam Gavin, Ariel Vida, Megan Rosati, David Lawson Jr., Lonnie Finley, Michael Felker, Stefania Cella
  • Image © Drop-out Cinema
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