#movie #review #cinema #critic #film #festival #podcast

„Rose“ gives you a more tender version of craziness cliches

„Rose“ gives you a more tender version of craziness cliches

Authentische Abbildungen von Menschen mit Schizophrenie sind die Ausnahme im Kino, dessen symptomatische Stereotypen Nils Arden Oplevs persönliches Psychodrama trotz augenscheinlich besserer Intentionen letztlich bestätigt. Dass dem retrospektiven Road Movie dennoch emotionale Momente gelingen, liegt vor allem an Sofie Gråbøls sensibler Verkörperung der Hauptfigur. Inger lebt offenbar seit Jahrzehnten in der geschlossenen Psychiatrie, aus der sie ihre Schwester Ellen (Lene Maria Christensen) und deren zweiter Ehemann Vagn (Anders W Berthelsen) für eine kurze Paris-Pauschalreise holen. 

Die von ihrer besorgten Mutter kritisch beäugte Busfahrt mit einer Reisegruppe führt zu den gängigen Klischees, die der Regisseur in seinem selbstverfassten Drehbuch zwar auf einen alltäglicheren Rahmen herunterschraubt, aber letztlich dennoch bestätigt. So knüpft Inger wie so viele mental beeinträchtigte Charaktere, die aus unerklärlichen Gründen zu Kindern einen besonderen Draht haben, eine Freundschaft mit dem 12-jährigen Christian (Luca Reichardt Ben Coker). Dessen womöglich selbst zwangskranke Vater (Søren Malling) ist der latent aggressive Textbuch-Trigger. 

Ingers Sprachkenntnisse, Musikalität und unvermittelte Morddrohungen erinnern an die zahllosen Supercribs und Serienkiller in Unterhaltungsmedien. Deren kontraproduktive Repräsentation wird genauso wenig thematisiert wie die folgenschweren Auswirkungen von Psychopharmaka und Psychiatrie. Ihre Stärken offenbart die durch Oplevs eigene Schwester inspirierte Story in der Darstellung Ellens und Vagns, der ein Alter Ego des Regisseurs sein könnte. Zerrissen zwischen Fürsorge und Überforderung verfolgen sie einen integrativen Umgang mit der Protagonistin, die nur momentweise die narrativen Krankheitskonventionen überwinden kann. 

Sofie Gråbøls behutsames Porträt der Titelfigur und der seltene Fokus auf die alltäglichen Herausforderungen der Angehörigen psychisch kranker Menschen bewahren Nils Arden Oplevs romantisierte Reisegeschichte vor toxischen Tropen und ableistischen Abwegen. Dennoch entkommt die durch subtile Farbdramaturgie und zurückhaltenden Zeitkolorit akzentuierte Inszenierung nur bedingt verbreiteten Vorurteilen. Essenzielle Probleme wie die destruktive Auswirkung von Psychopharmaka und Psychiatrie übergeht die Handlung zugunsten formelhafter Sentimentalität. Diese untergräbt den resignativen Realismus, der zu selten die naiven Narrative durchbricht.  

  • OT: Rose
  • Director: Niels Arden Oplev
  • Screenplay: Niels Arden Oplev
  • Country: Denmark
  • Year: 2022
  • Running Time: 106 min. 
  • Cast: Sofie Gråbøl, Lene Maria Christensen, Anders W. Berthelsen, Søren Malling, Luca Reichardt Ben Coker, Peter Gantzler, Christiane Gjellerup Koch, Karen-Lise Mynster, Illyès Salah, Jean-Pierre Lorit, Yale Arden Oplev, Kathrine Jacobsen, Tine Roland Grauengaard, Samy Andersen, Garance Chansigaud, Raoul Logan
  • Image © mindjazz
This piece first appeared …