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Berlinale ‘24 Competition: „Shambhala“

Berlinale ‘24 Competition: „Shambhala“

Es sind die Details, die verraten, dass Min Bahadur Bhams zweiter Spielfilm dem Jetzt weit näher ist, als die traditionelle Kleidung und ursprüngliche Lebensweise seiner Figuren erwarten lassen. Das gilt nicht nur für die Zeitverankerung des meditativen Epos, das es als erster nepalesische Beitrag auf der Berlinale direkt in den Wettbewerb schaffte, sondern auch für dessen mainstreamige Message. Deren Emanzipationsmotiv wirk nicht nur zwiespältig angesichts der erdrückenden spirituellen Symbolik, sondern mehr noch der kalkulierten Kommerzialität.

Jene schleicht sich bereits in die schwelgerischen Kamerabilder der schneebedeckten Szenerie, deren visueller Grandeur zwar handwerklich beeindruckt, aber auch ein nah am Kitsch angelegte Postkarten-Optik reproduziert. In diese Ausstellungsästhetik fügen sich auch die zahlreichen rituellen und traditionellen Vignetten, die das ohnehin gemächliche Geschehen weiter ausbremsen, ohne den Figuren oder ihrer Geschichte relevante Facetten hinzuzufügen. Exemplarisch für die damit einhergehende Verklärung ist die polyandrischer Sitte entsprechende Hochzeit der jungen Protagonistin Pema (Thinley Lhamo) mit drei Gatten.

Dass der jüngste Dawa (Karma Wangyal Gurung) noch ein Kind ist, erscheint ebenso unproblematisch wie die religiöse Enthaltsamkeit dessen erwachsenen Bruders Karma (Sonam Topden). Denn Pema liebt am meisten ihren Tashi (Tenzin Dalha), dessen Spuren sie folgt, als er von einer Handelsreise nicht zurückkehrt. Die amüsante Andeutung, dass drei Männer für Pema nicht reichen und ihr erwartetes Kind von Dorflehrer Ram Sir (Karma Shakya) ist, bleiben ebenso vage wie die unterentwickelten theologischen und familiären Dilemma. 

Visuell epische, narrativ minimalistisch, funktioniert die Handlung Min Bahadur Bham romantischen Road Movies am ehesten als touristisches Diorama der nepalesischen Bergwelt und Kultur. Die Schauwerte der erschöpfenden Reise, deren Ziel sich vorhersehbar als abstrakt herausstellt, motivieren die mäandernde Story stärker als die prototypischen Figuren und deren allegorisch untermauerte Dynamik. Die eklektische Inszenierung beschwört eine fast märchenhafte Aura, in die Gegenwart nur verankert durch Randrequisiten – und den ambivalenten Maßschnitt des süßlichen Schaustücks auf ein westliches Kinopublikum. 

  • OT: Shambala
  • Director: Min Bahadur Bham
  • Screenplay: Min Bahadur Bham, Abinash Bikram Shah
  • Country: Nepal, France, Norway, Hong Kong, China, Turkey, Taiwan, USA, Qatar 
  • Year: 2024
  • Running Time: 150 min. 
  • Cast: Thinley Lhamo, Sonam Topden, Tenzing Dalha, Karma Wangyal Gurung, Karma Shakya, Loten Namling, Tsering Choden, Choney Gurung, Phurba Tsepten Gurung, Tsering Lhamo Gurung, Tsering Choeble Towa, Janga Bahadur Lama
  • Image © Shooney Films
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