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„Sugar and Stars“: Bland biopic sugarcoats flaws of high cuisine

„Sugar and Stars“: Bland biopic sugarcoats flaws of high cuisine

Nie mehr als drei Geschmäcker kombinieren, erläutert einer der Vorgesetzten des jungen Hauptcharakters die für ein gelungenes Dessert angeblich grundlegende Formel, nach der auch Sébastien Tulard sein Patissier-Biopic inszeniert. Im Falle der untypischen Laufbahn des für seine Eisdesserts berühmten Weltmeister-Chocolatiers Yazid Ichemrahen, dessen Autobiografie die Cédric Ido die Drehbuch-Vorlage lieferte, sind das der zwischen seiner liebevollen Pflegefamilie und der verantwortungslosen Mutter (Loubna Abidar) pendelnde Underdog-Held (Riadh Belaïche), ein Tick spirituelle Sentimentalität, die das ambitionierte Ausnahmetalent im entscheidenden Moment zu einer Engel-Eisskulptur inspiriert, und den für Mainstream-Unterhaltung mit Mittelklasse-Zielpublikum obligatorischen Mythos der Meritokratie. Nicht nur der gibt der gefälligen Geschichte einen ambivalenten Beigeschmack. 

Rassismus, Klassismus und Sexismus im Spitzenküchen-Szene negiert die glattgebügelte Geschichte geflissentlich. Die alten weißen Männer, die dem selbstbewussten Neuling essenzielles Wissen und karriereentscheidende Chancen vermitteln – wozu  die einzige Vorgesetzte (Lika Minamoto) auffälligerweise weder befähigt noch befugt ist –  gehen nur nach Können, verzeihen Anfängerfehler und quartieren ihn gratis in einer Luxussuite ein. In der Küchenbrigade existiert weder Stress, noch toxische Arbeitsatmosphäre. Selbst Yazids fieser Konkurrent Julien (Estéban) verdankt seine Führungsposition keinesfalls Privilegien, wird hartnäckig betont. Mit Talent und Fleiß verdient selbst ein Heimkind in der inszenierten Idealwelt seinen Sternenhimmel, unter dem es während vorübergehender Obdachlosigkeit herrlich schläft. So geschmacklos kann Spitzenküche sein.

Der englische Verleih-Titel Sugar and Stars wird zum doppeldeutigen Verweis auf die verzuckerte Darstellung der Welt der Haute Cuisine. Deren Elitarismus und Chauvinismus ignoriert Sébastien Tulard biederes Biopic während es die verstaubten Hierarchien zur tadellosen Talentschmiede verklärt. Das meritokratische Märchen lässt auffällige Lücken in dem lehrbuchmäßigen Lebenslauf, der zur Folie für klassistische Negativklischees und latenten Sexismus wird. Trotz soliden Schauspiels und reklamereifer Optik vergeht da der Appetit. 

  • OT: À la belle étoile
  • Director: Sébastien Tulard
  • Screenplay: Cédric Ido, Yazid Ichemrahen
  • Country: France 
  • Year: 2023
  • Running Time: 110 min. 
  • Cast: Marwan Amesker, Riadh Belaïche, Loubna Abidar, Christine Citti, Patrick d’Assumçao, Phénix Brossard, Anis Mansour, Lika Minamoto, Estéban, Dycosh, Pascal Légitimus, Georges Corraface, Frédéric Fix, David Forgit, Lika Minamoto
  • Image © 24 Bilder
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