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Marjane Satrapi’s „Radioactive“ can’t outshine limitations of effusive script

Marjane Satrapi’s „Radioactive“ can’t outshine limitations of effusive script

Gegenüber Marie Noelles reduktivem 2016er Biopic oder gar Mervyn LeRoys kitschiger 1943er Romanze erscheint Marjane Satrapis Porträt der genialsten Persönlichkeiten ihrer Epoche deutlich besser denn gemessen nach eigenem Verdienst. Solch ein objektives Urteil fordert die entschlossene Titelfigur (Rosamunde Pike) selbst wiederholt von ihrem Umfeld, ironischerweise, weil sie ungerechtfertigte Bevorzugung mehr fürchtet als Benachteiligung. Fördergeldmangel sei hinderlicher gewesen als ihre gesellschaftliche Stellung als Frau sagt Marie Curie gar in einer zahlreicher Fehlinterpretationen, geleitet von ähnlichen Vorbehalten.

Steht der polnischstämmigen Wissenschaftlerin Starrsinn oder Konformismus im Weg, ist es vorrangig ihr eigener. Die Ablehnung Akademie-Professor Lippmanns (Simon Russell Beale) wirkt wie eine Reaktion auf Curies Individualismus, der ihre Karriere blockiert. Zusammenarbeit – konkret: von Männern und Frauen – ist effektiver, lautet die hartnäckige Lektion, das Drehbuchautor Jack Thrones bezeichnenderweise der die weibliche Seite repräsentierenden Hauptfigur vorbetet. Als wäre es historisch nicht das Patriarchat, das Frauen jahrhundertelang Zugang zu und Anerkennung auf wissenschaftlichem Gebiete verwehrte.

Noch bornierter ist Thrones Darstellung fremdenfeindlicher Schmähungen als provoziert durch die Affäre mit Forscherkollege Langevin (Aneurin Barnard). Dessen intellektuellen und emotionalen Einfluss auf Curie übertreibt er ähnlich wie den Pierres (Sam Riley). Seine Dauerpräsenz überlebt selbst seinen Unfalltod, der die Witwe um seine Wiederauferstehung betteln lässt. Der dramaturgische Tiefpunkt steht exemplarisch für die psychologischen und biografischen Mängel eines von Lauren Redniss’ expressiver Comicvorlage hoffnungslos überforderten Skripts, das sich mehr für Radium interessiert als seine Entdeckerin.

Radium ist wahrer Hauptprotagonist eines trotz visueller Spielereien schematischen Biopics, dessen konventionelle Narration und exaltierte Inszenierung im Widerspruch zu Lauren Redniss expressionistischer Graphic Novel stehen. Drehbuchautor Jack Thorne betrachtet die Hauptfigur mehr als Medium ihres Forschergatten sowie als metaphysische Marionette eines gottgleichen Elements. Dessen ambivalentes Potenzial illustrieren futuristische Ausflüge nach Nevada, Hiroshima und Tschernobyl. Die stören sowohl den dramatischen Fluss als auch Rosamund Pikes überzeugende Verkörperung einer Forscherin, der die Filmwelt erneut nicht gerecht wird.

  • OT: Radioactive
  • Regie: Marjane Satrapi
  • Drehbuch: Jack Thorne, Lauren Redniss
  • Produktionsland: UK
  • Jahr: 2020
  • Laufzeit: 103 min. 
  • Cast: Rosamund Pike, Anya Taylor-Joy, Aneurin Barnard, Sam Riley, Jonathan Aris, Simon Russell Beale, Corey Johnson, Tim Woodward, Indica Watson, Harriet Turnbull, Demetri Goritsas, Mirjam Novak, Evelyne Gilbert, Franciska Töröcsik, Cara Bossom, Debbie Maziol
  • Kinostart: 09.04.2020
  • Beitragsbild © StudioCanal
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