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Von der Hornisse gestochen: Seth Rogen ruiniert „The Green Hornet“

Von der Hornisse gestochen: Seth Rogen ruiniert „The Green Hornet“

Britt Reid (Seth Rogen) ist der Stachel im Nacken des Verbrechens. Aus seinem nichtsnutzigen Sohn wird nie etwas werden, fürchtet Dad (Tom Wilkinson). Auf Britts Eskapaden reagiert der Medienmogul allergisch wie auf Bienen. Nachdem sein Vater einem Insektenstich erliegt, erbt Britt neben dessen Zeitungsimperium den Chauffeur Kato (Jay Chou). Der entpuppt sich als genialer Karate-Kämpfer und Techniker. In dem von Kato konstruierten Superauto „Black Beauty“ jagt Millionenerbe Britt fortan als The Green Hornet auf Verbrecher und stilisiert sein Alter Ego in der eigenen Zeitung zum Star. Während Reporterin Lenore (Cameron Diaz) sich statt für den Möchtegern-Helden für Kato interessiert, schmiedet Unterweltboss Chudnowsky (Christoph Waltz) einen mörderischen Plan. 

Über The Green Hornet müsse man einen Film machen, verkündet Britt: „Die Leute werden es sehen und denken, er war der Größte. Aber das war er nicht.“ Wow, voll meta! Aber es wird noch meta-mäßiger: An Selbstgefälligkeit steht Michel Gondrys Inszenierung dem Helden in nichts nach. Auch nicht in Unfähigkeit, Aufdringlichkeit und Plumpheit. Ist das nicht witzig? Aus der Distanz betrachtet womöglich. Solange die Kinoleinwand in Sichtweite ist, nervt es nur, der uninspirierten Comic-Verfilmung bei der Selbstdarstellung zuzusehen. Mehr als für die Etablierung und Entwicklung dynamischer Charaktere und einer mitreißenden Story interessiert sich Drehbuchautorenduo Seth Rogen und Evan Goldberg für die Präsentation ihrer Action-Comedy als ultraclevere Parodie, hintersinnige Hommage an die zugrundeliegende Radio-Serie sowie die dank Bruce Lee zum Kult avancierte TV-Serie und Blockbuster des Comic-Helden-Subgenres in einem. 

Stattdessen ist die uninspirierte Inszenierung nichts von alldem. Um tatsächlich mit den Genrekonventionen zu brechen oder ihnen wenigstens eine originelle Facette abzugewinnen, fehlt Hauptdarsteller und Co-Autor Rogen offenbar die Inspiration. Sämtliche Klischees, die vermeintlich vorgeführt werden, bestätigt die Handlung. Dramaturgisch bleibt Reid der Typ mit den coolen Sprüchen, der meisten Screen Time und den aberwitzigeren Aktionen. Was ihn als Superhelden disqualifiziert, macht ihm zum Helden der Buddy-Komödie. In deren dramaturgischer Sackgasse endet das witz- und spannungslose Abenteuer mit einer Meta-Lektion: Wer genug Geld zur Verfügung hat, kann sich allen möglichen Schwachsinn erlauben. 

  • OT: The Green Hornet 
  • Regie: Michel Gondry
  • Drehbuch: Seth Rogen, Evan Goldberg 
  • Produktionsland: USA
  • Produktionsjahr: 2010
  • Laufzeit: 119 min.
  • Cast: Seth Rogen, Jay Chou, Cameron Diaz, Christoph Waltz, Edward Furlong, Tom Wilkinson, David Harbour, Edward James Olmos, Chad Coleman, Jamie Harris
  • Kinostart: 13.01.2011
  • Beitragsbild © Sony Pictures 
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