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They finally made monkey business out of it: „Dawn of the Planet of the Apes“

They finally made monkey business out of it: „Dawn of the Planet of the Apes“

Der Abspann von Rupert Wyatts losem Remake von Conquest of the Planet of the Apes zeichnete aus einem Blutstropfen die Infektionslinien eines tödlichen Virus nach, dass unter dem Namen Simian Flu den Globus überzieht. Die Anfangssequenz, mit der Matt Reeves nahtlos an Rupert Wyatts Rise of the Planet of the Apes anknüpft, unterstreicht im Rückblick auf den ersten 3D-Eintrag des Franchises den narrativen Bruch zwischen beiden Filmen.

Wyatts Auftakt zum Reboot der kultigen Kino-Serie folgte dem Schimpansen Caesar (Andy Serkis) auf seinem Weg vom verwaisten Jungen einer Laboräffin zum hyperintelligenten Befreier seiner von den Menschen eingesperrten und misshandelten Artgenossen. Der im Heim des fürsorglichen Biotechnologen Will (James Franco) aufwachsende Menschenaffe war die komplexeste Figur und eigentlicher Hauptprotagonist, obwohl das für die Fortsetzung erneut zusammengekommene Autorenduo Rick Jaffa und Amanda Silver zu Genüge Laufzeit auf Will und seine Wissenschaftler-Freundin verschwendete. Der Plot funktionierte auf mehreren Ebenen als Parabel auf die menschliche Arroganz gegenüber der Natur, die in Dawn of the Planet of the Apes ihr Recht fordert. Die pandemische Virusverbreitung begleiten scheinrealistische Nachrichten-Ausschnitte während sich die Weltkarte Punkt für Punkt verdunkelt. Der Ausfall der Elektrizität markiert die umgekehrte Evolution, die dem Homo Sapiens bevorsteht. Mit dem Planeten der Affen dämmert der Menschheit eine Ära der Finsternis.

Um dem zu entkommen, will der Überlebende Malcolm (Jason Clarke), der mit seinem verstörten Teenager-Sohn Alexander (Kodi Schmitt-McPhee) und Krankenschwester Ellie (Keri Russell) in einer schwer bewaffneten Bastion nahe San Franciscos lebt durch die Wiederingangsetzung eines Wasserkraftwerks die Stromversorgung der Gemeinschaft sichern. Der Weg dorthin führt durch die Wälder, die Ceasar und seine Affenbande zu ihrem Revier gemacht haben. Die Primaten sind über das Auftauchen der Menschen not amused, besonders, da der cholerische Techniker Carver (Kirk Acevedo) grundlos einen Jungaffen niederschießt. Caesars salomonische Besonnenheit verhindert eine Eskalation vorerst. Bevor der verschlagene Bonobo Koba (Toby Kebbel) und Carver alles ruinieren können, entdecken beide Seiten ihre Gemeinsamkeiten: Heranwachsende Söhne sind für Väter eine Herausforderung, ein paar faule Eier sind immer im Korb oder Camp oder Affenklan, jeder mag coole Graphic Novels. Wohin der Plot steuert, ist so offenkundig und konventionell, dass selbst der überzeugende Andy Serkis und die ansehnlichen Effekte der lose Battle for the Planet of the Apes folgenden Handlung keine echte Dynamik geben.

Die Charakterisierung folgt ein einem kruden Schwarz-Weiß-Konzept von Gut und Böse. Mit Ausnahme des Camp-Leiters Dreyfus, dem Gary Oldman einige psychologische Nuancen verleiht, sind die Guten gut aussehend und gutwillig, die Bösen hässlich und hinterhältig. Caesar ist der idolisierte Alleinherrscher der Affen, die wohl beraten sind, ihrem weisen Führer zu folgen. Sonst herrscht Anarchie, die Befreiten landen wieder im Käfig oder werden per Sofortexekution beseitigt. Solche Praktiken werden dem Putschisten Koba als Ruchlosigkeit angekreidet, bei Ceasar hingegen sind sie notwendige Staatsräson. Die archaischen Rollenbilder, die zum einen eine patriarchalische Gesellschaftsordnung, zum anderen eine martialische Autokratie präsentieren, konterkarieren die vorgebliche Anti-Kriegs-Botschaft. Letzte mündet im Verrat ihrer humanistischen Grundsätze. Der Revoluzzer Caesar wird zum heroisierten Despoten, der mit Menschenstimme seine früheren Thesen widerruft.

Affen töten keine Affen, steht im Affenhort an der Felswand. Aber manche Affen sind keine Affen, ergänzt Caesar. Erinnert ein bisschen an Animal Farm, wo nach dem Aufstand der Tiere an der Scheune steht „Alle Tiere sind gleich“ und ein paar Jahre nach der Revolution: „Aber manche Tiere sind gleicher“.

  • OT: Dawn of the Planet of the Apes
  • Regie: Matt Reeves
  • Drehbuch: Mark Bomback, Pierre Boulle, Scott Z. Burns, Rick Jaffa, Amanda Silver
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2013
  • Laufzeit: 130 min.
  • Cast: Gary Oldman, Keri Russell, Judy Greer, Jason Clarke, Andy Serkis, Kodi Smit-McPhee, Toby Kebbell, Kirk Acevedo, Kevin Rankin, Larramie Doc Shaw, Enrique Murciano, Terry Notary, Karin Konoval, J.D. Evermore, John L. Armijo
  • Kinostart: 07.08.2014
  • Beitragsbild © Fox
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