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„The Men Who Stare at Goats“ are better off than those watching Grant Heslov’s smug satire

„The Men Who Stare at Goats“ are better off than those watching Grant Heslov’s smug satire

Grant Heslov beobachtet in seiner sarkastischen Kriegssatire die Beobachter. Die Protagonisten halten sich für knallharte Kerle, die dem Tod ins Auge blicken. Entsprechend bereitwillig glauben sie, dass der Tod aus ihren Blicken zurückstrahlt. Die Vierbeiner des Titels sollen nur die ersten Opfer sein. Versteckt in der irakischen Wüste gibt es eine US-Militärbasis, wo Soldaten an Ziegen telekinetische Fähigkeiten üben, die eines glorreichen Tages gegen Menschen eingesetzt werden sollen. Auf die Schliche kommt ihnen kein heldenhafter Journalist, sondern der schmierige Kleinstadtreporter Bob Wilton (Ewan McGregor). Bei einem Interview für die Lokalnachrichten hört er von parapsychologischen Forschungen des Militärs zur Kriegsführung. Zuerst glaubt er das Gerede von Jedi-Rittern und Telekinese nicht. Doch dann wecken seltsame Vorkommnisse sein Misstrauen. 

Der Typ, für den ihn seine Frau verlässt, hat einen Kunstarm hat, der aussieht wie ein Handschuh Darth Vaders. Und ein Hamster fällt plötzlich bewusstlos um. Entschlossen reist Wilton an die irakische Grenze und lauscht neidisch Berufskollegen, die lässig von ihren Kriegseinsätzen berichten. Dann begegnet er zufällig Lyn Cassady (George Clooney), dem besten PSI-Krieger der sogenannten New Earth Army. Die hat aus Hippie-Philosophie und Esoterik eine neue Kriegsstrategie entwickelt. Cassady und Wilton brechen auf in die Wüste, zu LSD- und Selbstfindungstrips. Die Handlung klingt nach einer aberwitzigen Science-Fiction-Komödie. Tatsächlich basiert sie auf einem Sachbuch. Der britische Journalist und Autor Jon Ronson verfasst den gleichnamigen Bestseller nach wahren Begebenheiten. Grant Heslovs bitterböse Satire zeigt New-Age-Gurus wie Bill Django (Jeff  Bridges), der Soldaten zu spiritueller Erkenntnis führt und einen General Hopgood (Stephen Lang), der wortwörtlich mit dem Kopf durch die Wand will. Hinter den skurrilen Ereignissen steckt bei Heslov die deprimierende Erkenntnis, das kein Szenario zu absurd ist, als dass es nicht Realität werden könnte. 

Ein drittklassiger Schauspieler als US-Präsident, Star Wars im Kino und im Weißen Haus und die brennende Frage: Besaß Angela Lansbury militärische Geheiminformationen? Die Adlerfeder, mit der die PSI-Krieger im Film ausgezeichnet werden, ist nebenbei tatsächlich die eines Truthahns. Echt sind nicht einmal die Symbole, die an einen höheren Sinn erinnern sollen, der nie existierte. Beunruhigender als die irrwitzigen Methoden des Militärs ist deren Effektivität. Seien es übersinnliche Wahrnehmung oder ein bizarrer Placeboeffekt, irgendwas macht Lyn Cassady scheinbar tatsächlich zum Superkrieger. Bis zum Jedi ist es von dort nur noch ein kleiner Schritt. Die Antihelden sind fast bemitleidenswert in ihrer irrwitzigen Sinnsuche und Selbstüberschätzung. Raffiniert enthüllt Heslov, wie Manipulierte zu Manipulatoren werden und die Friedensbewegung zum Krieg instrumentalisiert. 

Jon Ronsons übrige Sachbücher sind noch weitgehend unverfilmt. Mit seinem Regiedebüt beweist sich Grant Heslov als fähiger Kandidat. Möge die Macht mit ihm sein. 

  • OT: The Men Who Stare at Goats
  • Regie: Grant Heslov
  • Drehbuch: Peter Straughan, Jon Ronson
  • Produktionsland: USA, UK
  • Jahr: 2009
  • Laufzeit: 93 min. 
  • Cast: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick, Waleed Zuaiter, Stephen Root, Glenn Morshower, Nick Offerman, Tim Griffin, Rebecca Mader, Jacob Browne, Todd Lawson LaTourrette, Brad Grunberg, Elsa Villafane
  • Kinostart: 04.03.2010
  • Beitragsbild © StudioCanal
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