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„The Art of Bollywood“ im Taschen Verlag

„The Art of Bollywood“ im Taschen Verlag

Dream Land. Kein anderer Filmtitel umschreibt treffender die prachtvollen Plakate dramatisch blickender Frauen, finsterer Kerle, Schwertkämpfer, Schlägereien und eines fliegenden Palastes. Sogar ein Kopfloser passt noch drauf. Überschwänglich bis überladen ist auch die schillernde Kollektion, die Filmemacher Rajesh Devraj und Sammler Edo Bouman auf fast 200 Seiten vorstellen. Der von Paul Duncan herausgegebene Taschen-Bildband feiert mit den Ephemeralien indischer Kinokunst und -kultur die Schönheit der Oberfläche, ohne einen Blick dahinter.

Der Begriff Bollywood beschwört ein Klischee farbenfrohen, romantisch-kitschigen Spektakels, mit Pop-Musik und Happy End. Komplexität und Problematik dieses aus westlicher Perspektive oft reduktiven Konzepts finden keine Beachtung in dem als solches konzipierten ästhetischen Prestigeobjekt. Dessen Inhalt versammelt stumme, dennoch beredte Zeitzeugen vom 1913 entstandenen ersten Spielfilm bis in die Neunziger, zwei Jahrzehnte, nachdem Bollywood Hollywood an Filmproduktionen überrundete. Unübersichtlich wie die in ihrer künstlerischen Qualität stark variierenden Motive ist der Text. Fakten, Anekdoten und Gerüchte vermengen die Autoren zu buchstäblich abenteuerlichen Reigen. 

Unzweifelhaft ist die Bedeutsamkeit der Poster für den Kassenerfolg eines Films. Der Einfluss internationaler Plakatkunst und vice versa findet indes kaum Erwähnung. Im Fokus stehen Mythos und Melodramatik. Schlüssigkeit und Hintergründigkeit sind nachrangig – genau wie die Künstler, Künstlerinnen sind für die Autoren gar nicht existent. „Bollywoods Plakatkünstler waren ganz und gar nicht anonym, wie es manche Beschreibungen indischer Filmplakate glauben machen“, besagt das Vorwort. Ein Beispiel für „manche Beschreibungen“ sind die vorherigen Seite, wo es heißt, fast nichts sei über die Zeichner bekannt. 

Vielleicht hätten Herausgeber und Autoren sich besser auf das beschränkt, was den Taschen-Verlag beherrscht: Hochglanzbilder. Schön zum Schauen, Schund zum Lesen.

  • OT: The Art of Bollywood
  • Herausgeber: Paul Duncan
  • Autoren: Rajesh Devraj, Edo Bouman
  • Jahr: 2010
  • Seiten: 192 
  • Verlag: Taschen
  • Beitragsbild © Taschen