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Terrence Malick drenches nazi-opposer biopic „A Hidden Life“ in pious pastoral pretension

Terrence Malick drenches nazi-opposer biopic „A Hidden Life“ in pious pastoral pretension

Inadäquate Idyllik und völkische Frömmelei verschmelzen in Terrence Malicks jüngstem Monument pseudophilosophischer Prätention zu erschöpfendem Panorama-Pathos. Der umflort mehr noch als den österreichischen Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter (August Diehl) den Regisseur und Drehbuchautor des epischen Heimatfilms, der hartnäckig die eigene vermeintliche Bedeutsamkeit betont. Das semi-authentische Biopic ertrinkt in sentimentaler Seichtheit, blockiert von ignoranter Indifferenz gegenüber der politischen, soziologischen und psychologischen Dimension des Materials. Letztes ist Malick ähnlich gleichgültig wie die beunruhigende Aktualität der Story.

Mangelndes Gespür für die komplexe Thematik verrät nicht nur die realitätsferne Verklärung des Arbeitsalltags Jägerstätters und Gattin Fannys (Valerie Pachner). Die in Gebirgsepik und Hüttenromantik schwelgende Inszenierung stilisiert das fleißige Ehepaar mit blonder Kinderschar und felsenfest verankerter reaktionärer Rollenverteilung zum nationalsozialistischen Ideal bäuerlichen Familienglücks. Des gottgefälligen Bilderbuch-Papas uneheliche Tochter und Glaubenszweifel unterschlagen der fragmentierte Plot und Malick’sche Hintergrundkommentar. Zweiten prägt gleich den Postkarten-Szenarien erschöpfende Redundanz. Gezeigtes wird beschrieben, dann nochmal gezeigt und nochmal. 

Die möchtegern-erhabenen Aufnahmen bedienen sich unreflektiert der Heimatstolz-Ideologie und Ästhetik des Nazi-Kinos, inklusive Durchhaltementalität. Über Fannys Hofarbeit mit ihrer Schwester (Maria Simon) strahlt ein Heiligenschein und frohe Momente erleuchten sogar die Haft des Hauptcharakters, dessen idiosynkratische Überzeugung nie ergründet wird. Er ist weder Mensch, noch Märtyrer, sondern Christusfigur, die bis zum Fallbeil verzagte Mitgefangene und umgekippte Regenschirme aufrichtet. Sein Leben dient Malick bloß als Vorwand einer anderen Inszenierung: der seines eigenen Mythos.

  • OT: A Hidden Life
  • Regie: Terrence Malick
  • Drehbuch: Terrence Malick
  • Produktionsland: USA, Germany 
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 173 min. 
  • Cast: August Diehl, Valerie Pachner, Michael Nyqvist, Matthias Schoenaerts, Jürgen Prochnow, Bruno Ganz, Alexander Fehling, Ulrich Matthes, Karl Markovics, Franz Rogowski, Tobias Moretti, Martin Wuttke, Max Mauff, Johan Leysen, Dimo Alexiev, Joel Basman
  • Kinostart: 30.01.2020
  • Beitragsbild © Pandora Filmverleih