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Susan Hills „The Woman in Black“ kehrt auf die Leinwand zurück

Susan Hills „The Woman in Black“ kehrt auf die Leinwand zurück

Eel Marsh House steht seit vielen Jahren in den sumpfigen Marschen Englands, in die James Watkins‘ atmosphärisches Remake den unglückseligen Hauptcharakter führt. Der junge Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliff) soll im entlegenen Crythin Gifford den Besitz der verstorbenen Mrs. Drablow auflösen soll. Die alte Dame war die letzte lebende Bewohnerin Eel Marsh Houses, aber nicht die einzige in dem verfallenden Schauplatz, zu dem keiner der abweisenden Dorfbewohner ihn vorlassen will. Doch das Unheil erwartet ihn bereits in der ominösen Silhouette der Titelgestalt, in der er es zu spät erkennt. 

Manche Häuser sind böse, schrieb Shirley Jackson in The Haunting of Hill House, an dessen psychologisches Grauen Susan Hills Romanvorlage anknüpft. Nicht allein Häuser können böse sein, sondern Orte. Ein solcher ist das menschenleere Moorland um Eel Marsh House in James Watkins atmosphärischer Inszenierung. Verhalten nennen die Anwohner dessen Namen. „Sie glauben nicht an Geister und solche Dinge, oder?“, fragte Gutsbesitzer Daily (Ciran Hinds), der dem Fremden als einziger hilfsbereit begegnet. Doch seit dem Tod seiner Frau ist Kipps sich nicht mehr sicher. Die Figuren verbindet diese ambivalente Mischung aus Schauer und Sehnsucht, die das Übersinnliche für die vom Verlust eines geliebten menschen Geplagten gewinnt. 

Er soll das Thema Kinder ganz vermeiden, rät Mr. Daily seinem jungen Besucher, der selbst Vater ist. Seine Bitte passt zum beunruhigten Schweigen der Dorfbewohner, hinter dem die Wahrheit umso lauter schreit. In Gestalt Porträts, leer stehenden Spielzimmern und alten Puppen sind die toten Kinder gegenwärtig. In der mit wohldosierten Schrecksekunden gespickten Elegie sehnen sich nicht die Geister nach der Welt der Lebenden, sondern die Lebenden nach dem Geisterreich. Verwesend, schleimig klingt der Name des Familiensitzes, den Mrs. Drablow mit ihrem adoptierten Neffen bewohnte. Mit seinen von Fäulnis durchzogenen Mauern scheint das Anwesen ein Grabmal, im Grunde jedoch ist dies das gesamte Dorf. 

Watkins stimmungsvolle Wiederbelebung des britischen Gothic-Films beschwört die natürliche Furcht vor dem Tod der Liebsten. Jener Schrecken verfolgt in der schwermütigen Szenerie die Anwohner in seiner womöglich grauenvollsten Form. Das Trauergewand der Titelfigur verweist auf den ihr zugefügten Schmerz und den Schmerz, den sie verursacht – wenn wieder ein Kind stirbt. Die Vorstellung, eine Hand zu den Vermissten ins Jenseits strecken zu können, ist makaberer Trost. Dessen Umkehrschluss ist, dass die Toten ins Diesseits greifen könnten, um einem das Liebste zu rauben. Beide kreiert das altmodische Geisterkino, inspiriert von Allens The Uninvited und Wises’ The Haunting steht, in gleichsam bedrückender und suggestiver Gespensterhaftigkeit.

  • OT: The Woman in Black
  • Regie: James Watkins
  • Drehbuch: Jane Goldman
  • Produktionsland: UK
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 95 min.
  • Cast: Daniel Radcliffe, Ciarán Hinds, Janet McTeer, Roger Allam, Sophie Stuckey, Liz White, David Burke, Shaun Dooley, Sidney Johnston, Victor McGuire, Alexia Osborne, Alisa Khazanova, Mary Stockley, Aoife Doherty, Tim McMullan
  • Kinostart: 29.03.2012
  • Beitragsbild © Concorde
  • Poster Illustration © Daniel Danger
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