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Stephen Kings Cameo kann „Stuck in Love“ nicht retten

Stephen Kings Cameo kann „Stuck in Love“ nicht retten

Horror und Stephen King passen einfach zusammen. Das dachte sich Josh Boone wohl, als er den Kultautor in seine Grauen erregendes Regiedebüt verwickelte. Dummerweise ist die dröge Story kein Horror dem Genre nach, sondern auf dramaturgischer und inszenatorischer Ebene. Offenbar hat Boone King einfach nicht kapiert, was weniger tragisch wäre, wenn er dafür etwas von filmischer Narration, Charakteren und Humor verstehen würde. Doch seine verstaubte Teenie-Komödie um den Spross einer Schriftstellersippe zeigt keine Anzeichen davon. Stephen-King-Fans können übrigens bis zu den letzten Minuten springen, denn bis dahin ist der in den Credits gehypte Schriftsteller nur nominell präsent. Vermutlich fiel Boone neben dem Schlagwort „Horror“ nur noch ein weiteres ein: „Einnahmen“.

Die versucht er an den Kinokassen zu generieren, indem er seine an moralischer Pedanterie fast erstickende Geschichte zusätzlich mit ein paar Indie-Kino-affinen Darstellern spickt. Nat Wolff lernt als Sohn Rusty mehr Mädchen aufzureißen. Lily Collins lern als Tochter Samantha, weniger Typen aufzureißen. Logan Lerman ist Louis, der Samantha bekehrt, und Liana Liberato ist Kate, die Rusty betört. Damit die reaktionäre Moral nicht nur von der jüngeren Generation verstanden wird, gibt es Unterstützung: Jennifer Connelly lernt als Mutter Erica, dass ihr Platz nicht bei einem jüngeren Partner oder zeichnend vor der Leinwand ist, sondern daheim beim Thanksgiving-Dinner. Greg Kinnear lernt als Vater Bill, dass auf Beichte und Buße Vergebung folgt.

Bloß Kristen Bell lernt als Nachbarin Tricia nichts, denn sie ist blond und nur für verklemmte Sex-Szenen da. Aber sie könnte lernen, dass unabhängige Frauen psychisch angeknackst sind. Die filmische Fibel buchstabiert in abgedroschenen Stereotypen biedermeierliche Morallektionen vor: Bestseller haben unfehlbar literarische Qualität, Talent wir ausnahmslos entdeckt und um Stephen King zu begreifen, braucht es ein Y-Chromosom. Blasierter, bornierter, beschränkter geht es nicht mehr? Oh doch! Die Dramödie einer Schriftsteller-Sippe, in der jeder toll aussieht, tolles Zeug und ein tolles Tätigkeitsfeld hat, spielt in einem schicken Küstenschauplatz mit immer sonnigem Klima. Ständig ist Feiertag, man geht aus und wenn nicht, sagt eine farbige Bedienstete: „Ich hab heiße Schokolade gekocht.

Das i-Tüpfelchen auf dem prüde-perfekten Leben der Writers, so der noch auf der Leinwand prangende Originaltitel, sind die ausgeschriebenen Gedankenströme der Figuren. „Liebe ist … den Tisch für jemanden zu decken, der niemals zum Dinner kommt“, „Das Leben ist … nur so bedeutungsvoll, wie du dir vormachst, es wäre es.“ Zweites gilt auch für die Prosa des Regisseurs, der sich vorsorglich mit Selbstlob überhäuft. Besonders schwärmt er für den Dialogsatz: „Ich erinnere mich, dass es wehtat.“ So werden viele auch über die filmische Plattitüde gedenken.

  • OT: Stuck in Love
  • Regie: Josh Boone
  • Drehbuch: Josh Boone
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 96 min.
  • Cast: Logan Lerman, Kristen Bell, Jennifer Connelly, Lily Collins, Rusty Joiner, Stephen King, Greg Kinnear, Liana Liberato, Spencer Breslin,
  • Kinostart: 19.09.2013
  • Beitragsbild © Senator