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Berlinale ’11: „Sing Your Song“ – Filmische Hommage an Harry Belafonte

Berlinale ’11: „Sing Your Song“ – Filmische Hommage an Harry Belafonte

Harry Belafonte machte den Calypso über die Grenzen der USA hinaus populär. Die Musik jamaikanischer Sklaven wiederum machte den Schauspieler und Sänger zu einem der erfolgreichsten Entertainer der Sechziger und ersten afroamerikanischen Emmy-Preisträger. Die Gesangskarriere ist nur eine Etappe der Laufbahn, die Susanne Rostock in ihrer dokumentarischen Hommage feiert. Sozialengagement und Systemkritik sind die Marksteine des Lebensbildes. 

Bedeutender als Belafontes Arbeit mit Preminger, Wise und Altman ist seine Verbindung zu Martin Luther King und der Bürgerrechtsbewegung. Den Gegner von Vietnamkrieg, Apartheid, Umweltzerstörung und Folter besingt die Inszenierung so ausgiebig, dass die einzige Reportage im diesjährigen Berlinale Special zur Ikonographie tendiert. Die Persönlichkeit des Protagonisten wird vom Ideal eines universellen Vorbilds absorbiert. Objektivität verschluckt das Crescendo der Lobpreisungen genauso wie private Zwischentöne. Diese Inkonsistenz reflektiert das Titelzitat Paul Robesons: „Sing Your song and they will want to know who You are.“ Ironischerweise interessieren sich die meisten Leute für Belafontes Anliegen, weil er Belafonte ist. 

Robesons Kampf gegen Diskriminierung, rassistische Figurenstereotypen und Marginalisierung bedeutete beständiges Abwägen und Kompromisse. Ist es besser ein Negativklischee zu spielen, als dass gar kein Schwarzer im Film mitwirkt? Bewirkt das dauerhafte soziale Engagement als Star mehr als ein Rollenverzicht, der das Karriereende bedeuten kann? Belafontes Auseinandersetzung mit diesem Konflikt bleibt offen. Seine Musik verrät kaum etwas von seinen politischen Überzeugungen; ob aufgrund von Studiodruck, Selbstzensur oder aufgrund andere Motive wird nie ergründet. Alles dreht sich um Belafonte; dennoch bleiben von seiner Lebensgeschichte nur bekannte Konturen. 

  • OT: Sing Your Song
  • Regie: Susanne Rostock
  • Drehbuch: Susanne Rostock
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 104 min.
  • Beitragsbild © Berlinale / Arsenal Filmverleih