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Sigourney Weaver & Cillian Murphy mach auf Mulder & Scully in paranormalem Humbug „Red Lights“

Sigourney Weaver & Cillian Murphy mach auf Mulder & Scully in paranormalem Humbug „Red Lights“

Die titelgebende Betrugsampel blinkt in Rodrigo Cortes Mystery-Thiller gleich nach dem Vorspann. Nicht nur hier bedient sich der Regisseur und Drehbuchautor bei den X-Files, die in jeder Episode die Tür zum Übersinnlichen einen Spalt offen ließen. Cortes hingegen reißt diese Tür sperrangelweit auf. Skeptiker will er ausmerzen wie die Geisterjäger Tom Buckley (Cillian Murphy) und Dr. Margaret Matheson (Sigourney Weaver) enttarnter Scharlatan vorgeblich Krebsgeschwüre. Das Konzept der Esoterik-Show, die er zu diesem Zweck abzieht, lässt er seinen Protagonisten erläutern:  „Je simpler, desto besser. Das ist das Prinzip“.

Die durch ihren sexistischen Subtext noch abstrusere Story kreist um einen plakativen Kontrast von körperlichem Entschlafen und psychischem Erwachen. Beide blockiert destruktiver weiblicher Intellekt. Dr. Mathesons Rationalität und Emotionen machen sie unfähig, über etablierte Fakten hinauszudenken, und familiär loszulassen. Die als feminin deklarierte Inkompetenz betont die Story mit plakativen Parallelen zwischen Matheson Kollegen Tom und ihrem komatösen Sohn. Dabei ersehnt die Skeptikerin insgeheim Glauben, der ihr – Überraschung – in männlicher Gestalt erscheint: „Wer hat dich gesandt?“ 

Das weiß der Himmel – und zwar nicht nur im rhetorischen Sinne. Ein überzogenes Effekt-Gewitter soll neben jedem Mysterium des faden Mystery-Thrillers jeden Zweifel beim Publikum auslöschen. Hauptantagonist ist weniger der blinde Magier Simon Silver (Robert De Niro holt seinen Gehaltscheck ab), als per se Vernunftdenken. Die obskurantistischen Botschaft killt neben jeder Ernsthaftigkeit, um die Murphy und Weaver vergeben kämpfen, die Prämisse. Die verlogene Dramaturgie bemüht sich um Suspense mittels der typischen unheilvollen Vorzeichen, welche die Protagonisten als Zufälle abtut: „Nur ein toter Vogel.

An denen hat der wirre Esoterik-Krimi einen ähnlich hohen Verschleiß wie an unvollendeten Erzählsträngen. Logik und Kohärenz sind hier eben nur nervige Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Paranormale Vorkommnisse, der liebe Gott und wahrscheinlich von Aliens erbaute Pyramiden und der Weihnachtsmann sind nicht mehr Glaubensfrage, sondern Tatsachen und wer die nicht akzeptiert, ein totaler Ignorant, eher aber eine totale Ignorantin. Selbst auf einem wohlbekannten Ufo-Poster steht nicht mehr I want to believe, sondern I want to understand. Ach ja, die X-Files. Besser eine Folge davon gucken und dem kruden Plot die rote Ampel zeigen.

  • OT: Red Lights
  • Regie: Rodrigo Cortés
  • Drehbuch: Rodrigo Cortés
  • Produktionsland: Spanien, USA
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 114 min. 
  • Cast: Robert De Niro, Elizabeth Olsen, Cillian Murphy, Sigourney Weaver, Toby Jones, Joely Richardson, Craig Roberts, Burn Gorman, Karen David, Jan Cornet, Leonardo Sbaraglia, Gina Bramhill, Jeany Spark, Garrick Hagon, Jesse Bostick
  • Kinostart: 09.08.2012
  • Beitragsbild © Wild Bunch 
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