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Schneewittchen, zum Zweiten: Gothic-Kitsch meets Märchen-Action in „Snow White and the Huntsman“

Schneewittchen, zum Zweiten: Gothic-Kitsch meets Märchen-Action in „Snow White and the Huntsman“

Es war zweimal. Das erste Mal war es Tarsem Singh mit Mirror, Mirror, nun ist es Rupert Sanders Spielfilmdebüt Snow White and the Huntsman. Das actiongeladene Kinomärchen basierend auf dem der Gebrüder Grimm jagt nur wenige Wochen der vorherigen Interpretation, die plötzlich gar nicht mehr so grottig aussieht. 

Sanders Ästhetik atmet die kalkulierte Politur der Werbespots, die seine bisher einzige Referenz sind, und es Anbetracht der Qualität der Inszenierung wohl bleiben. In Evan Daughertys und John Lee Hancocks ausufernder Story spielen Kulissen und Kostüme bedeutendere Rollen als die papierenen Protagonisten. Die Sieben Zwerge sind hier acht, aber ein praktischer Todesfall korrigiert das.Vermutlich brachte es Sanders nicht übers Herz, einen seiner renommierten Zwergen-Darsteller heim zu schicken. Bei kleinwüchsigen Schauspielern fiel ihm das offenbar leichter, weshalb Beith (Ian McShane), Muir (Bob Hoskins), Duir (Eddie Marsan), Coll (Toby Jones), Gus (Brian Gleeson), Quert (Johnny Harris), Nion (Nick Frost) und Gort (Ray Winstone) von großen Schauspielern verkörpert werden. 

Credo der uninspirierten Inszenierung in gelackter Computerspiel-Ästhetik war wohl: Es gibt nichts, dass nicht durch CGI verbessert wird! Die ihre Bosheit durch Keifen ausdrückende Königin Ravenna (Charlize Theron), die nach der Ermordung ihres Vaters im Turm eingekerkerte Snow White (Kirsten Stewart) und der ruppige Jäger (Chris Hemsworth), mit dem sich die Flüchtende verbündet, werden von keinem Gothic-Kitsch-Requisit verschont. Rote Rosen, tosende Meereswogen und ein in der Brandung auf wartender Schimmel sind ein Vorgeschmack auf knackendes Unterholz im finsteren Walde und von Tau glänzende Lichtungen. Dort blinzeln Pilze zu putzigen Elfen, die aus dem Gefieder flauschiger Elstern schlüpfen, während Rotkehlchen paarweise auf niedlichen Dachsen reiten. 

Schwulst steht im Kontrast zu Schauerkitsch im Dark Shadows-Stil. Fans der Trash-Soap und von Twilight scheinen Hauptzielgruppe des abstrusen Horror-Updates. Das klaut seine raren Schauwerte aus Klassikern von Snow White and the Seven Dwarfs, Jean D’Arc, Prinzessin Mononoke, Robin Hood bis zu Die Nebel von Avalon. Sanders eigene Idee ist nicht mal die patriarchalische Moral, welche die keusche Titelheldin gegen die heidnische, männliche Herrschafts- und Sexualmacht usurpierende Ravenna positioniert. Die Hohlheit dieser alles Märchenhaften entbehrenden Selbstbespiegelung benennt die Titelfigur: „Es bedarf mehr als eines Namens“ … der obendrein so unausgegoren klingt wie die gelackten Game-Szenarien aussehen.

  • OT: Snow White and the Huntsman
  • Regie: Rupert Sanders 
  • Drehbuch: Evan Daugherty, John Lee Hancock
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 127 min. 
  • Cast: Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Charlize Theron, Sam Claflin, Ian McShane, Nick Frost, Toby Jones, Ray Winstone, Lily Cole, Bob Hoskins, Eddie Marsan, Vincent Regan, Dave Legeno, Rachael Stirling, Johnny Harris
  • Kinostart: 31.05.2012
  • Beitragsbild © Universal
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