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Roland Emmerich lässt in „2012“ die Welt untergehen. Schon wieder.

Roland Emmerich lässt in „2012“ die Welt untergehen. Schon wieder.

Die Apokalypse, das Ende der Welt, Armageddon!“ Und wer ist Schuld? Roland Emmerich. Als Regisseur, Drehbuchautor und ausführender Produzent läutet er nach Independence Day und The Day after Tomorrow erneutdie Endzeit ein „…und die Mayas wussten es schon seit Jahrtausenden.“ Nicht nur die Mayas. Dass dem Multiuntalent die Ideen fehlen, erschließt sich auch ohne einen der zahllosen Kalender, von denen immer mal einer mit der Zeitrechnung am Ende ist. Bedeutungsloser Zufall? Nö, wirklich alles wissenschaftlich fundiert: „Einstein unterstützt diese Theorie“! Gemeint ist wohl Einsteins Theorie von der Unendlichkeit der menschlichen Dummheit. Für die tritt das Katastrophenspektakel den Beweis an: „So was kann nur aus Hollywood kommen.

It ´s the end of the world as we know it“, heißt es, bloß leider ist das in dem CGI-Schinken nicht ansatzweise so unterhaltsam wie bei REM. Die Story ist bekannte Pappe, wie ein Weltuntergangs-Warnschild, das irgendein Spinner hochhält. Gibt einem dieser Typen ein 200-Millionenbudget und das filmische Resultat ist vermutlich spannender als die absehbare Tour der Retortenprotagonisten zum Rettungsschiff. Die alte Arche muss wieder ran und Vertreter der konservativen Kernfamilie dürfen an Bord. Der geschiedene Familienvater Jackson (John Cusack) gewinnt dank Sintflut & Co. seine Ex Kate (Amanda Peet), deren Partner draufgeht. Natürliche Auslese. Kate ist überzeugt und wechselt prompt zum Männchen, das besser zum Arterhalt taugt.

Dazu kommt Wissenschaftler Adrian (Chiwetel Ejiofor), der alles schon gewusst hat, fast so lange wie die Mayas. Wer überleben wird und wer gleich in Lava zischt oder vom Hochhaus zermatscht wird, steht den Figuren praktisch auf der Stirn geschrieben. Den Nervenkitzel beeinflusst das nicht, da die austauschbaren Pappprotagonisten nie einen Hauch Interesse erzeugen. Das Budget wurde offenbar ausschließlich für die aseptischen Effekte verpulvert. Innenszenen wirken dafür, als seien sie im Drehenden Haus auf dem Rummelplatz oder im überfluteten Heizungskeller gedreht. Die Nazi-Gesinnung, nach der Politiker Anheuser (Oliver Platt) unwertes Leben elliminiert, damit „der beste Gen-Pool“ in der Arche landet, untermauert der Plot, indem er nach moralistisch-reaktionären Prinzipien aussiebt.

Weder Kinder noch greise Eltern im Schlepptau? Ungünstig. Russe? Do swidanja. Ungläubig? Ab in die Hölle. Und die komplette Unterschicht kann sich sowieso einsargen lassen. Religiöse und politische Konflikte lösen sich so von selbst. Dalai Lama, Papst und der farbige US-Präsident bleiben freiwillig zurück. Wer sich opfert, hat einen Direktfahrschein ins Himmelreich. Da keiner von ihnen so umsichtig war, sein Ticket weiterzugeben, können die Superreichen und Mächtigen an Bord bequem die Füße hochlegen. Richtig dramatisch wird es, als ein Schiff ohne Elite abzulegen droht. Da rennen sie mit ihren Prada-Taschen und Gucci-Sonnenbrillen. Für Normalsterbliche, die weder „Gen-“noch sonst was für Pools haben, sind die Schotten dicht.

Und der von den Überlebenden sehr häufig angerufene Gott bewahre, dass ein Rollstuhl auf die Arche rolle! Emmerich zeigt das alles affirmativ. 2012 hat Jesus, der in der Bibel mal so was wie „Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Himmelreich gelangt“ verlauten ließ, nichts mehr zu melden. Es ist das Jahr 0001. P.E. Post Emmerichi.

  • OT: 2012
  • Regie: Roland Emmerich
  • Drehbuch: Harald Kloser, Roland Emmerich
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2009
  • Laufzeit: 158 min.
  • Cast: John Cusack, Chiwetel Ejiofor, Amanda Peet, Oliver Platt, Thandie Newton, Danny Glover, Woody Harrelson, George Segal, Morgan Lily, John Billingsley, Jimi Mistry, Liam James, Blu Mankuna
  • Kinostart: 12.11.2009
  • Beitragsbild © Sony