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Ridley Scotts „Prometheus“ hüllt Inhaltsleere in pathetische Düsterkeit

Ridley Scotts „Prometheus“ hüllt Inhaltsleere in pathetische Düsterkeit

In Einvernehmen mit dem greisen Konzernchef Weyland (Guy Pearce), der das titelgebende Erkundungsschiff in Geheimmission ins All schickt, umgibt sich Ridley Scott mit dem Nimbus einer höheren Mission. Antworten auf die existenzialistischen Fragen, die sein Weltraumhorror permanent anreißt, findet der Regisseur jedoch genauso wenig wie seine Protagonistin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace). Die Nachfolgerin oder nach der Handlungschronologie konkreter gesagt: Vorgängerin Ellen Ripleys ist letztlich nur eine Fußnote in einer dreidimensionalen Schaueroper, die sich selbst ernster nimmt, als es irgendein Publikum angesichts der frappierenden Logiklücken je könnte.

Der gravitätische Lack, der den von Blakes und Dorés Kupferstichen sowie den bio-mechanischen Fantasien H. R. Gigers inspirierten Szenenbilder den Anstrich intellektueller Substanz geben soll, bröckelt schnell während der zähen zwei Stunden Laufzeit. Der Reiz der blutigen Schöpfungssaga liegt mehr in der morbiden Atmosphäre als dem verwickelten Plot, dessen lose Enden sich für die Inszenierung zu Fallstricken entwicklen. Statt sich auf eine stringente Erzählung zurückzubesinnen, verirren sich die Drehbuchautoren Jon Spaihts und Damon Lindelof in skurrilen Sketchen, die eher an Balde Runner denn Scotts Klassiker anknüpfen.

Monströse Vernichtungsfantasien und obskure Schöpfungsvisionen werden heraufbeschworen, jedoch nie ergründet. Stattdessen schwingt sich die Story zu immer irrwitzigeren Konzepten auf, die unvermeidlich den Absturz der Handlung ins Lächerliche provozieren. In einer kuriosen Hommage an von Dänikens Theorien imaginiert das pathosgewaltige Prequel bakterielles Erdenleben als Keim außerirdischer Verwesung und parliert dazu Phrasen von göttlicher Hybris, die antike Mythen und romantische Dichtung zusammenwerfen. All die verstreuten theologischen und philosophischen Anklänge werden aggressiv aus dem Verborgenen gezerrt. Nicht nur das spielerische Entschlüsseln wird so abgewürgt, sondern auch jeglicher Subtext.

  • OT: Prometheus
  • Regie: Ridley Scott
  • Drehbuch: Jon Spaihts, Damon Lindelof
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 124 min.
  • Cast: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Patrick Wilson, Idris Elba, Guy Pearce, Logan Marshall-Green, Rafe Spall, Kate Dickie, Sean Harris, Emun Elliott, Vladimir ‚Furdo‘ Furdik, James Embree, Benedict Wong
  • Kinostart: 09.08.2012
  • Beitragsbild © Fox