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„Pixels“ kills off its amiable antique arcade antagonists with sexism, xenophobia & trite, tedious plotting

„Pixels“ kills off its amiable antique arcade antagonists with sexism, xenophobia & trite, tedious plotting

Chris Columbus’ kindertauglicher Mix aus Buddy-Movie und Cyber-Abenteuer beginnt im Jahr 1982. Der junge Sam Brenner (Adam Sandler) ist der Held der frisch eröffneten Arcade, wo Mädchen und Jungs – auf der Leinwand fast ausschließlich Jungs – aufregende Neuerscheinungen wie Pac-Man, Centipede und Donkey Kong zocken können. Sam erkennt, dass die Spielzüge bestimmten Schemata folgen und zockt sich mit dieser Taktik ins Finale der Gamer-Meisterschaft. Dort muss er allerdings lernen, dass auswendig abgeguckten Mustern zu folgen mit echter Individualität nicht mithalten kann. Eine Lektion, die auch Regisseur Columbus gebraucht hätte.

30 Jahre später ist in seiner Filmwelt gefühlt immer noch 1982. Computerspiele sind nur was für Jungs. Frauen sind in erster Linie Sex-Objekte. Konservative Familienwerte werden hochgehalten und im Fernsehen spricht Ronald Reagan. Letzter ist eine Projektion von Aliens, die der Erde den Krieg erklärt haben. Genauer gesagt: die Außerirdischen haben eine Weltraumbotschaft aus den 80ern als Kriegserklärung missverstandene und reagieren nun entsprechend. Fast so schlimm für die Menschheit wie wenn der echte Reagan noch an der Macht wäre! Aber auf dem Präsidentensessel sitzt stattdessen Sams Buddy aus Kindertagen Will Cooper (Kevin James). Sam selber brachte es lediglich zum IT-Installateur für ein Unternehmen mit dem peinlichen Namen Nerd-Brigade. Angesichts der außerirdischen Bedrohung, die in Form alter Computerspiele angreift, stellt President Cooper seine persönliche Nerd-Brigade als militärische Sondertruppe auf. An Sams Seite kämpfen sein verklemmter Kumpel Ludlow (Josh Gad) und Erzkonkurrent Eddie (Peter Dinklage). Der hat Sam 1982 beim Gamer-Wettbewer den Titel des besten Donkey-Kong-Spielers weggeschnappt, mit Tricks, die auch bei den Aliens nicht gut ankommen.

Beim Regisseure von Mrs. Doubtfire und der Kevin allein zu Haus-Filme wird neben der Welt das Familienleben der Protagonisten gerettet. So hat Sam zu Beginn einen Auftrag bei der jüngst geschiedenen Mutter Violet (Michelle Monaghan), Eddies Herz schlägt für Serena Williams und Martha Stewart, die beide Gastauftritte haben, und Ludlow schwärmt für die sexy Computer-Kriegerin Lady Lisa (Ashley Benson). Die erscheint unverpixelt – im Handlungskontext völlig unlogisch, dafür in Einklang mit der chauvinistischen Inszenierung, die offenkundig einfach eine knapp bekleidetet Modellschönheit zur Schau stellen wollte. Lady Lisa ist fiktiv,  die übrigen computergenerierten Charaktere hingegen nicht. Diese nostalgischen Zitate einer längst überholten, warmherzig erinnerten Animationstechnik sollen der Standard-Story Charme verleihen. Arkanoid, Tetris und Space Invaders könnten das tatsächlich – würden Columbus und Drehbuchautor Tim Herlihy sie nur lassen. Stattdessen hält sich die Handlung mit (un)romantischem Geplänkel und Sprücheklopfen zwischen den eindimensionalen menschlichen Figuren auf. Augenscheinlich vertraute niemand auf die witzige Idee Patrick Jeans gleichnamigen Kurzfilms von 2010. Das Potential des Originals blitzt auf, wenn etwa Pac-Man-Erfinder Toru Iwatani in einer Cameo seine Schöpfung besänftigen möchte oder die Aliens Q*bert als Trophäe schicken. 

Jeden Anflug von Humor überrollt plumpe Slapstick und vorhersehbare Gags, meist vor Misogynie triefend. Mädchen existieren in der Gamer-Oberliga einzig, um den Jungs zuzujubeln. Wenn sie doch mal mitspielen, müssen sie prompt wie Princess Peach gerettet werden. Dazu kommt eine Dosis protziger Militarismus, Seitenhiebe gegen andere Nationen und Afroamerikaner. Ein sonderlich positives Bild scheint Columbus von Retro-Gamern nicht zu haben, wenn er deren Niveau und Geisteshaltung derart geringschätzt. Pixels ist laut, grell und handwerklich solide gemacht, doch kein bisschen liebevoll. Ja, es gibt ein paar nette Szenen – aber die verschießt alle der Trailer. 

  • OT: Pixels
  • Regie: Chris Columbus
  • Drehbuch: Timothy Dowling, Tim Herlihy
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2015
  • Laufzeit: 106 min. 
  • Cast: Adam Sandler, Kevin James, Michelle Monaghan, Peter Dinklage, Josh Gad, Brian Cox, Sean Bean, Jane Krakowski, Dan Aykroyd, Affion Crockett, Lainie Kazan, Ashley Benson, Denis Akiyama, Tim Herlihy, Jackie Sandler, Jared Sandler
  • Kinostart:  30.07.2015
  • Beitragsbild © Sony Pictures
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