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„Papillon“-Remake bleibt dicht am Original ohne zu überflügeln

„Papillon“-Remake bleibt dicht am Original ohne zu überflügeln

In einer frühen Szene von Michael Noers Remake des Steve-McQueen-Klassikers von 1973 nennt der wohlhabende Strafgefangene Louis Dega (Rami Malek) sich einen Künstler, worauf Mithäftling und Titelcharakter Henri Charrière (Charlie Hunnam) bemerkt: „Du bist ein Fälscher“. Mehr Worte fallen nicht zu der Frage, ab wann eine Nachahmung so gut ist, dass sie sich als eigenständiges Kunstwerk behauptet, aber sie hat ihre Relevanz in der ambitionierten Melange aus Roman- und Drehbuchadaption. Deren stärkste Momente sind die Abweichungen von einem ikonischen Vorbild, dessen Glanz nicht ohne Schattenseiten ist.

Eine davon ist die emotionale Distanz zu den Figuren, die mehr als Allegorien denn reale Personen erscheinen. Dalton Trumbos Adaption ist eine Parabel über die Unbezwingbarkeit des menschlichen Geistes. Aus deren Handlungsbogen destilliert Noer die Geschichte einer wachsenden Freundschaft, die dem unbeirrbaren Helden mehr Hoffnung spendet als seine Sehnsucht nach Freiheit. Letzte ist in dem greifbar aktionsfokussierten Drama in erster Linie ein dankbares Motiv für die waghalsigen Fluchtversuche. Sie bringen Papillon wiederholt in jahrelange Einzelhaft, deren psychologisches Grauen zur signifikantesten Leerstelle des merklich gekürzten Plots wird.

Unmittelbare physische Gefahr ersetzt die stumme Angst vor seelischer Verkümmerung. Zweite verlieh dem Original eine subtile Eindringlichkeit abseits der vordergründigen Frage: Schaffen sie‘s oder nicht? Antwort gibt spätestens die beträchtliche Laufzeit. Dieser zum Trotz klingen originäre Handlungsschwerpunkte wie der Kontrast zwischen dem gesellschaftlich legitimierten Sadismus der Obrigkeit und der Integrität des kriminellen Figurenduos nur unterschwellig an. Ein zähe Wille zur Menschlichkeit unter unmenschlichen Bedingungen macht den neuen Papillon zur zugänglicheren und idealistischeren der beiden Versionen, wenn auch nicht zur besseren. Aber, hey, hat das irgendjemand erwartet?

  • OT: Papillon
  • Regie: Michael Noer
  • Drehbuch: Aaron Guzikowski, Dalton Trumbo, Lorenzo Semple Jr., Henri Charrière
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2017
  • Laufzeit: 133 min.
  • Cast: Charlie Hunnam, Rami Malek, Roland Moller, Tommy Flanagan, Michael Socha, Eve Hewson, Ian Beattie, Yorick van Wageningen, Yorick van Wageningen, Nikola Kent, Christopher Fairbank, Joel Basman, Brian Vernel
  • Kinostart: 26.07.2018
  • Beitragsbild © Constantin
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