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„Once Upon A Time … in Hollywood“ gets soppy about decline of era when screen heroes had to be white males

„Once Upon A Time … in Hollywood“ gets soppy about decline of era when screen heroes had to be white males

Nostalgie ist ein fragwürdiger Euphemismus für den Narzissmus der überlangen Romantisierung des beiläufigen Rassismus, Sexismus und Chauvinismus des Titelschauplatzes. Der dient Tarantino vorrangig als Kulisse aufpolierter Exponate seines Oevres. Stilistische Referenzen sind Selbstreferenzen, Zitate zitieren seine Zitierfreudigkeit, Verneigungen huldigen seiner Idealisierung eines überlebensgroßen Konstrukts, das hinter der schillernden Fassade erstickend dumpf ist. Die schale Hommage treibt nicht Verehrung eines Mikrokosmos, sondern Aggression gegen alle, die den Spielplatz weißer privilegierter Männer zu etwas anderem machen könnten.

Die trivialen Episoden um Ex-Star Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und dessen Stuntman Cliff (Brad Pitt), deren Beziehung voll homophober Panik hartnäckig als supermännliche Männerfreundschaft gerechtfertigt wird, sind wehleidiger unreflektierter Revisionismus. Perfektionistische Panoramen und lässiger Soundtrack verklären eine Welt, in der Nicht-Weiße verächtlich gemachte Statisten sind (siehe Mike Mohs Bruce Lee). Frauen warten als hysterische Drachen oder minderjährige Pussy (Margaret Qualleys superintelligenter Filmname) auf Männer, die sie voranbringen, ob karrieretechnisch oder beim Trampen on the road to ruin.

Letzter droht Hollywood, sobald die Macht reaktionärer WASP-Männer bröckelt. Verwaiste Filmsets wie die Spahn-Ranch beherbergen dann gemeingefährliche, psychopathische Gegenkultur. Zitat Rick: „Hippie-Abschaum“. Gegen Love & Peace hilft am Besten ein Flammenwerfer. Oder Ein-Mann-Armee Cliff, der schon mit der Ermordung seiner Frau davon kam. Voll witzig, oder? Sie hat halt immerzu genörgelt. Wer seine keifende Gattin nicht umbringt wie Cliffs Stuntkoordinator Randy (Kurt RusselI) ist selber Schuld. Misogyne Gewalt: ein zuverlässiger Lacher.

Ob gegen eine 8-jährige Method-Schauspielerin (Julia Butters), gegen Anhängerinnen eines gewissen „Charlie“ oder Sharon Tate (unterfordert: Margot Robbie). Ihr 50. Todestag ist Starttag der handlungsarmen, spannungsfreien Buddy-Comedy. Der blutrünstige Mord an einer jungen hochschwangeren Frau – Superanlass zum Feiern! Ohne den Mord fehlte der Revisionsorgie ja der Aufhänger – ein Tarantino-Film weniger, schrecklicher Gedanke! Mit minimalem Dialog und noch weniger dramatischer Funktion ist Tate lebendes Pendant der Leinwand: eine seelenlose Projektionsfläche männlicher Phantasien. 

Relevanz erhält sie einzig durch ihre Instrumentalisierung. Diese zynische Position unterstreichen ausführliche Szenen Tates, die sich als Besucherin eines ihrer Kinofilme an den Publikumsreaktionen auf ihre Auftritte erfreut. Klar doch, die echte Sharon Tate wäre begeistert über jede ihrer seichten Filmminuten in der sentimentalen Serenade auf die Frauen, Fremde und Freaks verdreschenden privilegierten weißen Kino-Kerle, deren vermeintlichen Niedergang Tarantino beklagt. Bittere Ironie, dass die Zeiten sich nicht zu sehr, sondern zu wenig geändert haben.

  • OT: Once Upon A Time … in Hollywood
  • Regie: Quentin Tarantino
  • Drehbuch: Quentin Tarantino
  • Produktionsland: USA, UK
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 162 min. 
  • Cast: Luke Perry, Margot Robbie, Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Timothy Olyphant, Dakota Fanning, Al Pacino, Tim Roth, Emile Hirsch, Damian Lewis, Damon Herriman, Kurt Russell, Julia Butters
  • Kinostart: 15.08.2019
  • Beitragsbild © Sony Pictures