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„Motherless Brooklyn“ is an all too literal, but worthwhile noir invocation

„Motherless Brooklyn“ is an all too literal, but worthwhile noir invocation

Entscheidende Stärke Edward Nortons zweiter Regiearbeit ist die Evokation diffuser Entwurzelung, trotz vordergründig eindeutiger Zugehörigkeit. Jene Verlorenheit bleibt einzige authentische Verbindung zur imitierten filmischen Zeitströmung, paradoxerweise verstärkt durch Inversion klassischer Tropen. Plakative Referenzen hingegen untergraben die kontemplative Stimmung des Detektivkrimis. Eine Film-Noir-Hommage war bereits Jonathan Lethems Romanvorlage, deren Verfilmung Norton seit der Publikation 1999 umtrieb. Die Rückversetzung der Gegenwartsstory in die darin stilistisch referenzierten 50er mindert mit der atmosphärischen Ambiguität die systemkritischen Anklänge.

Zweiter parallelisierte die Gegenwart mit einer Ära, deren Rassismus und Imperialismus nie überwunden wurden, und relativiert Errungenschaften einer brüchigen Demokratie. Nortons Inszenierung entwirft in matten Farben ein irritierend tolerantes Bild der Jahre vor Kulmination der Bürgerrechtsbewegung. Letzte scheint abgeschlossen im winterlichen New York, dessen Arbeiterklasse Angst vor Gentrifizierungsmaßnahmen des Trumpesken Stadtunternehmers Randolph (Alec Baldwin) eint. Politikerinnen agieren gleichberechtigt, PoC werden Abgeordnete, tanzen mit Weißen und die schlimmste Schmähung ist trotziges Blockieren eines U-Bahn-Sitzplatzes.

Subtile Harmonisierung untergräbt die handlungstreibende soziale, familiäre und neurologische Dissonanz. Das Tourette-Syndrom des die Ermordung seines Mentors (Bruce Willis) untersuchenden Privatdetektivs Lionel (Norton) schrumpft zu liebenswerten Ticks. Überzeugender sind die emotionale Nähe zu Aktivistin Laura (Gugu Mbatha-Raw) und Geborgenheitssehnsucht des angenehm unspektakulären Helden. Korruption und monströse Megalomanie sind nur schwaches Echo noir-typischer Düsterkeit, doch einnehmende Darsteller_innen, Thematik und Szenenbilder tragen einen ambitionierten Plot, der Figurendynamik und Hintergründigkeit vor öde Action stellt.

  • OT: Motherless Brooklyn
  • Regie: Edward Norton
  • Drehbuch: Edward Norton, Jonathan Lethem
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 144 min. 
  • Cast: Bruce Willis, Alec Baldwin, Edward Norton, Leslie Mann, Cherry Jones, Gugu Mbatha-Raw, Fisher Stevens, Willem Dafoe, Ethan Suplee, Bobby Cannavale, Michael Kenneth Williams, Dallas Roberts, Robert Wisdom, Josh Pais, Olli Haaskivi, Doris McCarthy
  • Kinostart: 12.12.2019
  • Beitragsbild © Warner Bros.
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