#movie #review #cinema #critic #film #festival

Melissa McCarthy keeps herself in type casting limbo as/in vulgar trashy „Tammy“

Melissa McCarthy keeps herself in type casting limbo as/in vulgar trashy „Tammy“

Oh nein, nicht noch einer!“, klagt Melissa McCarthy gleich zu Beginn als Tammy, der rüden Titelfigur des festgefahrenen Road Movies. Die Worte sprechen aus der Seele: Nicht noch einer dieser Art McCarthy-Filme! Das Regiedebüt von Co-Autor, Dreh- und Ehepartner Ben Falcone kommt einfach nicht in die Gänge, trotz der unerwartet glänzenden Besetzung mit Susan Sarandon, Kathy Bates, Dan Aykroyd und Toni Collette. Angelockt wurde das Ensemble wohl von eben jenem komödiantischen Nimbus McCarthys, der das Kinopublikum in ihren jüngsten Klamauk ziehen soll.  

Seit ihrem Durchbruch in Bridesmaids ist die Hauptdarstellerin am gefragtesten in Variation der Rolle, für die sie 2011 eine Oscar-Nominierung erhielt. Vulgär, laut, leicht bis beunruhigend psychotisch, aufdringlich und ungeniert selbstbegeistert, kurz: White Trash. Ein Musterexemplar davon ist die fettleibige, pampige, in einer Fast-Food-Filiale arbeitende Hauptfigur, die noch vor dem Vorspann einen Hirsch anfährt. Wie sie das angeschlagene Tier zum Aufraffen anspornt, erinnert an die unermüdliche Versuche, dem ziellosen Plot eine dramaturgische Richtung zu geben. Nachdem ihr schmieriger Boss sie kündigt und ihr Mann (Nat Faxon) eine andere (Toni Collette) hat, geht Tammy zurück zu ihrer Mutter (Allison Janney). Allerdings nur, um mit deren Auto abzuhauen. Komplizin und Sponsorin der spontanen Fahrt Richtung Niagara-Fälle ist Tammys ebenso trink- wie lebensfreudige Großmutter Pearl (Susan Sarandon). Wie die Figuren verplant in der Provinz herumkurven, schlingert die klägliche Handlung zwischen Buddy-Movie, Romantik-Komödie und Generationen-Melodram. Überzeugen kann der Film als keines davon. 

Der Familien-Triangel von Tammy, ihrer Mutter und Pearl wirkt von vornherein aufgrund der Altersnähe von McCarthy, Janney und Sarandon allzu bemüht. Genauso das Anbandeln von Tammy und Bobby (Marc Duplass), dem verkrampften Sohn von Pearls neuem Lover Earl (Gary Cole). Die einfallsarme Story zerfällt mangels innerer Dynamik in eine Reihe loser Sketche, deren Mittelpunkt stets die überreagierende Tammy ist. Nahezu sämtliche Gags folgen dem selben inszenatorischen Muster, das mittlerweile mehr anstrengt als amüsiert. Dass es nicht gut tut, alte Muster stur zu wiederholen, mahnt zu Beginn schon Mama. Aber Tammy hört nicht, genau wie McCarthy. Ihr humoristisches Talent kann sich in dem kruden Szenario nicht entfalten. Kaum angefangen, scheint ihre Karriere bereits in einer kreativen Sackgasse zu stecken. Bleibt zu hoffen, dass sie sich wieder heraus manövriert wie Tammy. 

  • OT: Tammy
  • Regie: Ben Falcone
  • Drehbuch: Melissa McCarthy, Ben Falcone
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2014
  • Laufzeit: 96 min. 
  • Cast: Melissa McCarthy, Susan Sarandon, Kathy Bates, Allison Janney, Dan Aykroyd, Mark Duplass, Gary Cole, Nat Faxon, Toni Collette, Sandra Oh, Ben Falcone, Sarah Baker, Rich Williams, Steve Little, Dakota Lee, Mark L. Young
  • Kinostart: 03.07.2014
  • Beitragsbild ©  Warner Bros.
This piece first appeared …