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„Me & Orson Welles“ (mis)uses iconic director as ploy for sappy sophomore slush

„Me & Orson Welles“ (mis)uses iconic director as ploy for sappy sophomore slush

Der Titel der harmlosen Historienkomödie ist doppelt irreführend. Zum einen sieht man nicht den entferntesten filmischen Abglanz des legendären Filmgenies (Christian McKay), sondern nur eine banale Karikatur aus den abgenutztesten biografischen Klischees. Die meisten davon sind negative, was wohl damit zu tun hat, dass Me nicht der 17-jährige Student Richard (Zac Efron) ist. Me, wie es im Original heißt, ist der andere Richard, Richard Linklater. Der nutzt die Adaption des gleichnamigen Romans von Robert Kaplow in erster Linie, um sein eigenes Schaffen indirekt über das von Welles zu stellen. Statt irgendeine Einsicht in das Wesen des zum Handlungszeitpunkt am Theater tätigen Regisseurs zu geben, zeichnet er ihn als selbstverliebten Tyrannen, von dem man nach wenigen Minuten die Nase voll hat. Auf diese Weise verschiebt die Inszenierung die Sympathien zugunsten Efrons nichtssagendem Studenten, dessen austauschbare Reifegeschichte schon oft erzählt worden ist – unter anderem von Linklater. Was Linklater nun in hübscher Szenerie und ausgestattet mit flotter Musik auf die Bühne bringt (auch wortwörtlich auf die des Theaters innerhalb der Handlung) suggeriert, der echte Welles sei ein bis zum Scheitern unpraktischer Angeber gewesen und hinter seinem intellektuellen Gebaren so unauthentisch, dass ein fiktiver Charakter lebensechter wirkt. Auftritt für Amateurschauspieler Richard, der unversehens bei Welles Aufführung von Julius Caesar am Mercury Theater mitwirken darf. 

Er begegnet der gleichaltrigen Schriftstellerin Gretta (Zoe Kazan) und einem jungen Joseph Cotton (James Tupper), liebäugelt mit der anziehenden Sonja (Claire Danes), die ihrerseits mit dem Überidol persönlich liebäugelt. Der wird sie natürlich letztlich fallen lassen, weil er ein eingebildeter Aufreißer ist, der bloß überdurchschnittlich gut improvisieren kann. Niemand muss den echten Welles als Filmemacher mögen und eine kritische Auseinandersetzung mit der historischen Figur wäre spannend. Doch an einem schlüssigen Persönlichkeitsbild scheint Linklater gar nicht interessiert. Ihm geht es augenscheinlich um einen publikumswirksamen Aufhänger für eine gleichgültig dahinplätschernde Liebeskomödie und darum, dem Publikum all die sauren Trauben reinzuwürgen, an denen er sich angesichts von Welles Ruhm verschluckt hat. Welles ist ganz Despot. Wenn er mal Genie sein darf, dann ein diabolisches, das sein Ensemble und seine vermeintlichen Freunde manipuliert, um seine künstlerische Vision zu verwirklichen. Als „ehrgeizig, selbstsüchtig, brillant“ beschreibt ihn eine Nebenfigur, nur für den Fall, dass das Filmpublikum es in fast zwei Stunden nicht checkt. Ein differenzierteres Bild ist von keinem der Protagonisten zu erwarten. Sie alle wirken wie alte Bekannte aus banalen Filmen, die am Besten vergessen würden. Das adrette Zeitkolorit, mit dem die Ausstattung glänzt, kann den Mangel an Inhalt und Witz nicht ausgleichen. Selbst die unglücklichsten Werke des realen Welles sind da unterhaltsamer und liefern einen dynamischeren Eindruck vom Wesen des Titelcharakters.

Die belanglose Komödie hat nichts über Orson Welles und allgemein sehr wenig zu erzählen. Die guten Darstellerinnen Zoe Kazan und Claire Danes hätten eine bessere Produktion verdient; der prominente Namenspatron Welles sowieso. 

  • OT: Me & Orson Welles
  • Regie:  Richard Linklater
  • Drehbuch: Holly Gent Palmo, Vincent Palmo Jr., Robert Kaplow
  • Produktionsland: USA, UK
  • Jahr: 2008
  • Laufzeit: 114 min. 
  • Cast: Christian McKay, Zac Efron, Zoe Kazan, Megan Maczko, Simon Lee Phillips, Patrick Kennedy, Shane James Bordas, Alessandro Giuggioli, Harry Macqueen, Rhodri Orders, James Tupper, Thomas Arnold, Aidan McArdle, Simon Nehan, Claire Danes, Daniel Tuite
  • Kinostart: 26.08.2010
  • Beitragsbild © Farbfilm
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