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„Man bereut immer die Dinge, die man nicht gemacht hat“ – Interview mit Matthias Schweighöfer & August Diehl

„Man bereut immer die Dinge, die man nicht gemacht hat“ – Interview mit Matthias Schweighöfer & August Diehl

Matthias Schweighöfer und August Diehl sprachen mit zum Kinostart von Markus Gollers Romanadaption Frau Ella über Liebe, Tod und Lernen fürs Leben.

Ein großes Thema im Film ist die Angst, Chancen zu verpassen. Ihr seid Schauspieler, macht Karriere, alles geht sehr schnell. Hat man da Angst, die wesentlichen Dinge zu versäumen?

Schweighöfer: Wir sind beide in einer großen Instanz auch Vater. Ich glaube, wenn man sich so eine familiäre Basis aufgebaut hat, hat man einen ganz anderen Background. (zu Diehl) Oder?

Diehl: Wobei ich sagen muss, das geht schleichend.

Schweighöfer: Was geht schleichend?

Diehl: Mit dem Wechsel wie man seinen Beruf sieht, durch Kinder. Ich glaube, das hat mit dem Leben zu tun, dass sich Dinge verändern, dadurch, dass man älter wird. Aber was war nochmal die Frage?

Ob man in einem Leben, das von Arbeit dominiert ist, Angst hat, die wesentlichen Dinge zu versäumen.

Diehl: Das kommt vielleicht noch. In dem Moment, wo man alles hundertprozentig macht, hat man nicht das Gefühl, dass man irgendwas verpasst.

Wünscht man da manchmal, man könnte die Zeit anhalten, sich zurücklehnen, nachdenken und dann weitermachen?

Diehl: Ja, das gibt es. Auf jeden Fall.

Lernt man aus dem Dreh mit einer so erfahrenen Frau wie Ruth-Maria Kubitschek fürs Leben?

Diehl: Nein, ich lerne nie fürs Leben durch einen Film. Eher andersrum. Für mich ist das eine relativ unpädagogische Sache, dieser Beruf. Weder hat das was mit einer Therapie zu tun, noch mit einer Bereicherung des eigenen Lebens, sondern, eher eine Art Sucht, der man frönt. Ich lerne durch Filme, die ich gucke, wenn sie gut sind, aber welche, die ich selber mache? Ich lerne über den Beruf was, aber nicht übers Leben.

Von welchen Filmen konntest Du lernen?

Diehl: Es gibt schon Filme, da gab es ein Leben davor und danach. Der Grund, warum ich das mache, ist, dass ich sehr stark beeindruckt wurde von Kino und von Theater und ich wollte auch jemand sein, der Leute beeindruckt.

Im Film fluchst Du viel, Matthias. Machst Du das auch in echt?

Schweighöfer: Fluch ich wieder so viel? Wenn die Figur das so empfindet, kommt das einfach raus. Wenn ich in so einer Situation bin, sage ich manchmal Fuck oder Scheiße.

Diehl: Aber wenig. Du bist nicht jemand, der schnell ausrastet.

Schweighöfer: Vielleicht verleihe ich einer Emotion mehr ein Wort als sie nur zu spielen. Das kann schon sein.

Wenn ihr nicht vom Film lernt, dann vielleicht beim Spiel voneinander?

Schweighöfer: Das fand ich super, weil August ganz anders ergründet als ich, wo ich, wenn ich manchmal Figuren spiele, viel zu oberflächlich ansetze. Ich spiele manchmal gerne, dass ein Bild gut aussieht, obwohl die Figur das vielleicht nicht machen würde.

Diehl: Aber ich habe so eine Ausbildung gemacht, wo man getrimmt wird, nie brav zu sein. Es ist bei mir weniger ein Ergründen, sondern eine impulsive Sache. Ich muss in dem Moment genau wissen warum. Oder: nicht genau wissen, sondern genau fühlen.

Schweighöfer: Ich war total glücklich, dass August da war und ich mal mit ihm spielen konnte. Ich hatte auch immer wahnsinnig Respekt vor Dir. (Grinst) Jetzt nicht mehr!

Gibt es gerade einen Boom für deutsche Schauspieler in internationalen Produktionen?

Diehl: Das ist nicht nur in Deutschland so und wird dadurch nicht mehr das große Ding

Kein Unterschied, ob Angelina Jolie an der Seite steht oder…?

Diehl: Das ist äußerliche ein großer Unterschied, aber im Spiel ist es das gleiche. Es sind alles Schauspieler. Sogar auf der anderen Seite der Welt haben die die gleichen Schauspielerwitze, den gleichen Humor. Es scheint eine Sache zu sein wie bei Bienen, weltübergreifend.

Glaubt ihr an die große Liebe wie im Film und beschäftigt ihr euch mit dem Tod?

Schweighöfer: Ich bin kein Verfechter davon, dass es die ewige große Liebe nur in einer Persona geben muss. Mit Tod beschäftige ich mich, aber das geht schnell wieder weg, weil man noch sehr jung ist und sehr schnell – das ganze Leben. Das vergisst man oft.

Diehl: Ich beschäftige mich täglich mit dem Tod. Ich glaube, dass Glück immer damit zu tun hat, dass man weiß, dass man nicht ewig da ist. In Zeiten, wo der Tod näher war, sind die Leute statistisch gesehen glücklicher und es hat damit zu tun, dass sie wissen, dass vielleicht übermorgen Sense ist. Je weiter wir das Thema wegschieben, umso weniger glücklich sind wir.

Schweighöfer: Was wieder auf den Film zurückkommt: Deswegen ist es interessant zu sagen, man bereut immer die Dinge, die man nicht gemacht hat. Weil man dafür Mut braucht.

Beitragsbild © Warner Bros.