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Konventionell kontrovers: Sacha Baron Cohen ist „The Dictator“

Konventionell kontrovers: Sacha Baron Cohen ist „The Dictator“

Das wird dem Feind ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, ruft der oberste Führer (Sacha Baron Cohen) der Volksrepublik Wadiya. Und nicht nur dem. Die streitlustige Affront Comedy, zwingt mit aggressivem Humor bisweilen sogar Antagonisten ein Lächeln ins Gesicht. Das es dort nicht lange bleibt, liegt an der öden Story, mittels der Regisseur Larry Charles die durchwachsenen Sketche zu verbinde versucht. 

Die Inszenierung verfängt sich unablässig in drögen RomCom-Klischees, die im Kontrast zur hyperbolischen Politsatire stehen, und bezeichnenderweise gerade jene konservative Konventionalität reproduzieren, die der britische Comedian mit seinen Personifikationen vorgeblich untergraben will. Die meisten Pointen sind so plump und vorhersehbar wie die Handlung, die wenig Spielraum für nuancierte Systemkritik lässt. General-Admiral Aladeen fällt während eines Staatsbesuch im Feindesland USA einer Intrige des obersten Truppenbefehlshabers (Ben Kingsley) zum Opfer. Statt auf den von Demonstranten und nervösen Politikern empfangenen Kriegsverbrecher richtet sich die Weltaufmerksamkeit auf dessen Doppelgänger. Der Ziegenhirt (ebenfalls Sacha Baron Cohen) ist noch tumber als das Original in der Folterkammer eines CIA-Agenten (John C. Reilly). Ohne Osama-Bin-Laden-Gesichtsbehaarung und Gaddafi-Sonnenbrille findet Aladeen Arbeit im Bioladen der resoluten Zoe (Anna Faris). 

In seiner Impertinenz fungiert Admiral General Aladeen weniger als Vorzeigekarikatur eines islamistischen Fanatikers, denn als adäquates Pendant des verkappten Unrechtsstaates, der ihn als hohen hochrangigen Gast hofiert. Nebenher führt Cohen seinen in den Rollen chauvinistischer Rapper und schwuler Modereporter begonnenen Feldzug gegen die US-Prüderie mit pennälerhafter Obszönität. Das Warten auf die nächste Spitze überbrückt ein wechselhaftes Repertoire komödiantischer Routinen, gespickt mit genügend Star—Cameos, dass sich für alle darunter ein Favorit findet. „Hat der Wahnsinnige von Wadiya Nuklearwaffen?“ Nein, noch nicht mal ausreichend politischen Zündstoff, damit der Funken zum Publikum überspringt. Die medienwirksamen Aktionen des vorgeblichen Militärherrschers im Vorfeld enthüllen sich nach Filmsichtung als die eigentliche Satire. Ihr erklärtes Ziel ist soziale und politische Demaskierung der USA vor dem Zerrspiegel nationaler Paranoia. Jenes Staatssystem, das sich selbstherrlicher aufführt als Aladeen, ähnelt verdächtig Zoes Laden: „Nicht großartig. Es ist nur ein bisschen weniger scheiße.

  • OT: The Dictator
  • Regie: Larry Charles 
  • Drehbuch: Sacha Baron Cohen
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 83 min.
  • Cast: Megan Fox, Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley, John C. Reilly, B.J. Novak, J.B. Smoove, Kevin Corrigan, Jim Piddock, Aasif Mandvi, Jason Mantzoukas, Danielle Burgio, Fred Melamed, Ross Ryman, Tracey Ruggiero, J.B. Smoove
  • Beitragsbild © Paramount Pictures
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