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„Kin“ – Ist das der Inkognito-Pilot einer uninspirierte Sci-Fi-Serie?

„Kin“ – Ist das der Inkognito-Pilot einer uninspirierte Sci-Fi-Serie?

Nicht mal als Werbe-Pilotfilm für eine bisher nicht-existente Netflix-Serie, die der unreife Mix aus Sci-Fi, Familiendrama, Gangsterthriller und Kinderfilm eindeutig lancieren soll, funktioniert Josh und Jonathan Bakers derivatives Kinodebüt. Der richtungslose Plot, der dreist bei der von Stranger Things angestoßenen Retro-Ästhetik klaut, ist vollgepumpt mit aufgesetzten Konflikten, krudem Moralismus und markigen Bruderschaftsidealen, denn, hey, Brüder sind ja auch die Regisseure. Sie trimmen die auf Spielfilmlänge aufgeblasene Version ihres Kurzfilms Bag Man auf jugendtauglich oder angesichts der Abwesenheit relevanter weiblicher Figuren und des inhärenten Chauvinismus besser gesagt: jungentauglich.

Die kalkulierte Familienfreundlichkeit resultiert in einer bizarren Diskrepanz zwischen dem bemüht düster-realistischen Szenario und der harmlosen Cartoon-Action zu Sprüchen Marke kindergarten-cool. Ähnlich wie der jugendliche Eli (Myles Truitt), den seine ungeklärte, aber spezielle Herkunft zur Handhabung einer Alien-Knarre privilegiert, sind die Regisseure gewaltig überfordert mit ihren Mittel. Dazu zählen die talentierten Jungdarsteller, die den eindimensionalen Figuren keine Tiefe, aber wenigstens Sympathiewerte verleihen. Aufwerten kann das die in einfallsloserComputerspiel-Ästhetik gefangene Story kaum. Ärgerlicherals die Logiklücken dergenerischen Episodenist dasermüdend wiederholterückständige Männlichkeits- und Moraldiktat.

Die brachiale Botschaft ist einziger Verbindungspunkt der ziellosenHandlung, die weder Spannung noch Charakterentwicklung liefert. Elis krimineller Adoptivbruder Jimmy (Jack Reynor), die als sexy Ersatzmutter etablierte Milly (Zoë Kravitz) sind so unterentwickelt wie die plakatierten Familienwerte. Tatsächlich idealisiert wird ein ausschließlich Männern vorbehaltenes Konstrukt von Gehorsam und Pflichtschuld, verkörpert von Elis selbstgerechtem Adoptivvater (Dennis Quaid). Als Perversion der archaischen Kernsippe gilt die Alternativfamilie von Jimmys Ex-Partner-in-Crime Taylor (James Franco). Der einzig unterhaltsame Typ verabschiedet sich vorsichtshalber rechtzeitig, falls die Kasseneinnahmen doch ein Netflix-Nachspiel haben sollten. Prognose: unwahrscheinlich.

  • OT: Kin
  • Regie: Jonathan Baker, Josh Baker
  • Drehbuch: Jonathan Baker, Josh Baker, Daniel Casey
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 102 min.
  • Cast: James Franco, Zoe Kravitz, Carrie Coon, Dennis Quaid, Jack Reynor, Jonathan Cherry, Myles Truitt, Ian Matthews, Romano Orzari, Bree Wasylenko, Lily Gao, Gavin Fox, Ivan Sherry, Shawn J. Hamilton
  • Kinostart: 13.09.2018
  • Beitragsbild © Concorde
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