#movie #review #cinema #critic #film #festival

„Irvine Welsh’s Ecstasy“ ist derivative Dope Show

„Irvine Welsh’s Ecstasy“ ist derivative Dope Show

It´s magic, schwärmt Lloyd Buist (Adam Sinclair) in einer von zahlreichen verräterischen Szenen, die vorführen, was Rob Heydons Junkie-Junk-Movie um jeden Preis sein will und gerade deshalb nicht ist. Das einzige authentische Delirium der derivativen Inszenierung ist die des Regisseurs in seinem manischen Versuch, der nächste Danny Boyle zu sein. Ein Danny Boyle ist schon anstrengend genug. Bittere Ironie für Heydon, dass er es tatsächlich schafft, noch nerviger zu sein. Dafür gibt es so immerhin eine Pointe in der tumben Story. 

Die rotieren um Lloyds Begehren nach Dope und der frustrierten Kanadierin Heather (Kristin Kreuk), die ebenfalls in einer einseitigen Beziehung festhängt. Nur ist Lloyds nicht mit einem lieblosen Ehepartner verheiratet, sondern der Drogenszene. Dort ist er unterwegs auf Partys oder als Kurier für Großhändler Solo (Carlo Rota). In Heather findet er eine Seelenverwandte, die tatsächlich bloß eine Gleichgesinnte ist. Das Paar liebt nicht einander, sondern den Rausch, der sie ihrer dumpfen Realität entrückt. Stupidität, die Lloyd als tödlich bezeichnet, ist Inbegriff seines Daseins. Lässt die Dauerbetäubung nach, ist er ein unreifer Spießer mit krebskrankem Alkoholiker-Dad (Stephen McHattie) und pseudophilosophierendem Suchtkumpan (Billy Boyd). 

Dass jedem High ein Low folgt, ist einer der banalsten und abgegriffensten Umstände, der nicht mal mehr als Erkenntnis durchgeht. Dennoch behandelt ihn die uninspirierte Short-Story-Adaption als solche, die den eindimensionalen Figuren eines grauen Tages aufgeht. Lloyds Leben und Hirn sind so leer, dass selbst Normalität als aufregende Abwechslung erscheint. Heather ist bloß Mittel zum Zweck, seiner Existenz einen fadenscheinigen Sinn zu geben. „Wegen ihr möchte ich zu einem besseren Mann werden“, sagt Lloyd. Pauschal und abgedroschen wie der in seinem Verlauf vom Höhenflug über den Fall bis zur romantisierten Erlösung formelhafte Plot klingen solche Phrasen, geschaffen für eine Kunstrealität, ob des Kinos oder der Drogen.

Zielgewissheit wählte Heydon für sein cineastisches Debüt von den Drei Geschichten von chemischer Romantik, mit denen Irvine Welsh 1996 seinen ersten Bestseller landete, die letzte. Vorlage, Erzählerstimme des Hauptcharakters, Handlungsschauplatz, Soundtrack, Kinoplakat, inszenatorische Spielereien wie Standbilder und Schnelllauf, skurrile Namen, das Etablieren von deren Trägern durch eingeblendete Schriftzüge sind nur die auffälligsten Gemeinsamkeiten, die bis zu einer Szene über Drogensuche in der Toilette reichen. Letzte zumindest passt zu dem oberflächlichen Derivat: Ein Griff ins Klo . 

  • OT: Irvine Welsh’s Ecstasy
  • Regie: Rob Heydon
  • Drehbuch: Rob Heydon, Matt MacLennan, Paul McCafferty, Ben Tucker, Irvine Welsh
  • Produktionsland: UK
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 99 min.
  • Cast: Adam Sinclair, Kristin Kreuk, Billy Boyd, Carlo Rota, Ashley Pover, Keram Malicki-Sánchez, Olivia Andrup, Natalie Brown, Stephen McHattie, Dean McDermott, Alex Lifeson, Luke Gordon, Stefen Hayes, Colin Mochrie, Shaun Austin-Olsen
  • Beitragsbild © Senator