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„Immer das Beste aus jeder Scheiß-Situation machen.“ – Interview mit Otto Waalkes

„Immer das Beste aus jeder Scheiß-Situation machen.“ – Interview mit Otto Waalkes

Ein paar Ottifanten, ein paar Kassetten, ein paar Bilder lägen da rum. Die restliche Wohnung Ottos, der seit sechzig Jahren auf Bühnen, im Kino und im Fernsehen vor Publikum steht? „Leer“. Trotzdem sollen alle mal vorbeikommen: „Ich koche auch Tee.“ Ostfriesentee? Vorerst braucht der Comedian eine Tasse für sein Organ, das er in Ice Age: Continental Drift zum vierten mal Faultier Sid leiht. Was beide verbindet verriet Otto im Interview über Ottospezifisches, Optimismus und Ottifanten, die er anschließend den Reportern malte.

Otto: Den ganzen Tag schon Interviews. Ihr seid die letzten. Ich komme aus dem Synchronstudio. Jetzt sind wir fertig und ich bin auch fertig.

Heiser?

(Räuspert sich) Deshalb trink ich Kamillentee. Ich hoffe, es stört nicht zu sehr. Ist das jetzt Rundfunk oder Print oder was?

Print.

Dann ist es ja egal, ob ich heiser bin.

Muss man die Stimme viel schonen?

Nein, aber es ist anstrengend, wenn du wochenlang in Studios sitzt. Dunkler Raum, große Leinwand und dieses Riesenmikrophon. Sitzt eine große Dame neben dir und kreuzt an, ob alles gut ist: ja, nein, ja, nein. Den ganzen Tag sechs, sieben Stunden (mit Sids Stimme)Jodelohiti! Wo seid ihr? Es geht los!“ Das ist anstrengend und dann schreien: „Ahaahaah!“ Die Amerikaner, die lesen die Texte ab und daraufhin wird der Film animiert. Wir kriegen das fertige Produkt und du musst versuchen, diese Lippensynchronisation rein zuarbeiten. Aber auf der einen Seite möglichst was Ottospezifisches ein zufließen. Ab und zu so ein kleines „Jodelohiti!“ oder (das Otto-Kichern).

Was ist denn das „Ottosepzifische“?

Na das „Jodelohiti!(nochmal das Otto-Kichern). Das macht der Sid normalerweise nicht.

Gibt es da auch Grenzen?

Ja, das sagt der Regisseur. „Das ist mir zu viel Otto, bitte, ja?“ Ich sag: „ Einmal nochmal (Kichern)!“. Die Leute da oben freuen sich, dann bleibt es drin. Ist immer ein Amerikaner dabei: „Ey, I like it!

Immer guckt einer, ob das okay ist?

Da ist Chefkontrolle. Jede Zeile, jeder Hauch, jeder Atmer. Vier, drei, zwei, los geht’s (mit Sids Stimme): „Hallo, wo seid ihr? Es geht los!“ – „Okay, das kannst du besser.“ Schritt für Schritt und da kommt das Beste bei raus nachher.

Bisher synchronisierst Du nur Trickfilm-Figuren. Macht das Ottospezifische das Sprechen normaler Rollen quasi unmöglich, weil alle sofort an Otto denken?

Das Problem ist das miteinander zu verschmelzen, dass du nur dieses Wesen siehst, dass es eine Einheit bildet. Dann hast du deinen Job gut gemacht.

Das wird dadurch erschwert, dass Du auf den Plakaten bist.

Das ist die Verleihfirma, die glaubt, dass es unterstützend ist. Muss doch gar nicht da stehen. (geziert) Das weiß man doch!

Was haben Sie denn mit Sid gemein?

Wir duzen uns doch bereits?

Tun wir das?

Tun wir das nicht? Na gut, dann siezen Sie mich weiter.

Nein, lieber Otto. Was hast Du gemein mit ihm?

Ich fand den Charakter gut, als man mir ihn vorgestellt hat. Ich sollte ursprünglich das Mammut machen. Dann hab ich das Faultier gesehen. Der hat diesen Grundoptimismus und diesen naiven Charme, immer das Beste aus jeder Scheiß-Situation zu machen. Das entspricht meinem Wesen. „Behind every corner is a rainbow.

Würdest Du gern mal jemand Fieses spielen wie den Affenkapitän der Piraten?

Das kann ich nicht. Wäre viel zu anstrengend.

Es könnte eine Figur auf Dich zugeschnitten Figur sein, aber ein Schurke. Man kennt Dich im Film nur als den Netten.

Warum soll ich das machen?

Wäre vielleicht witzig.

Wenn es witzig ist, werde ich mal den Schurken spielen. Ich sollte ja mal den Tatort-Kommissar spielen. „Herr Kommissar, der Häftling von Zelle 12 hat gestanden.“ – „Die ganze Zeit und Sie haben ihm keine Platz angeboten?“ – „Nein, ich hatte keinen Stuhl.“ – „Keinen Stuhl? Haben Sie‘s denn mal mit Pflaumen versucht?

Das Angebot hat es doch nicht ernsthaft gegeben?

Hat es gegeben. Lange her, zehn, fünfzehn Jahre.

Gab es auch einen Probedreh?

Nein, wir saßen am Tisch mit der Redaktion und ich sagte denen: Ich werde immer wieder in diese Rolle hineinrutschen. Ich kann diesen ernsten Kommissar nicht spielen, da haben Sie falsche Erwartungshaltungen. Der Friese – Er ist ‚Der Friese‚“ So einen könnte ich mir vorstelle, einen deutschen Columbo.

Wandelt sich mit dem Alter auch der Humor mehr ins Zynische oder Sarkastische?

Du kannst nicht immer nur zynisch sein und uncharmant. Allzu scharfer Zynismus ist auf Dauer nicht haltbar, denke ich. Ich kann mich auch täuschen, denn er ist ja sehr erfolgreich. Dass Tolle ist, dass in der Fernsehlandschaft den Jung-Comedians ein Forum geboten wird, damit sie ihre unterschiedlichen Talente zur Schau stellen.

Gab es früher ein Vorbild?

Vorbilder gab´s genug. Insterburg fand ich immer sehr gut, dann war Heinz Erhardt da. „Bin ich vielleicht ein Schelm.“ Den fand ich immer sehr gut.

Nach „Ice Age 4“ hast Du wahrscheinlich schon einen Knebelvertrag für einen fünften.

Keinen Knebelvertrag, das ist freiwillig. Aber ich bin ja käuflich.

Hast Du Angst, dass Du in ein paar Jahren nicht mehr willst, nur die anderen noch? Du bindest ja bereits die nächste Generation an Dich.

Mal hast du Erfolg, mal nicht. Das wechselt immer. Du schreibst, du machst, du versuchst was. Ich setze mich gerne mit der Gitarre in die Ecke und spiele. Ich find das so toll, da zu entgleiten und Stunden vergehen wie Nichts.

Was spielst Du denn?

Gitarre.

Aber was für Songs?

Classics. Ich spiel alles, was gerade geboten wird. Was gute Leute spielen, eben.

Beitragsbild © Fox