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In deep poo with Winnie the Pooh: „Christopher Robin“ verkauft verzuckerten Zynismus

In deep poo with Winnie the Pooh: „Christopher Robin“ verkauft verzuckerten Zynismus

Manche Geschichten werden niemals alt – weil sie es schon immer waren. Eines dieser von Grund auf altbackenen Märchen ist A. A. Milnes Kinderbuchreihe, die Walt Disney zahlreiche zuverlässige Kinoerfolge bescherte. Mit Blick auf die kolossalen Einnahmen von Paddington und Paddington 2, beschloss das Studio, die Kasse nochmal mächtig klingeln zu lassen, bevor knuffelige Bären wieder out sind. Dass der echte Christopher Robin Milne die Vermarktung der Buchfiguren ablehnte, hinderte Marc Foster nicht daran, neben den prominenten Plüschtieren ihn selbst zum Objekt eines moralinsauren 3D-Vehikels zu machen.

Der ungelenk zwischen Zuckerschock und Düsterkeit stolpernde Familienfilm lief vermutlich zeitgleich vom Fließband wie die Steiff-Sonderedition von Winnie the Pooh, Tigger (beide: Jim Cummings), Eeyore (Brad Garrett), Piglet (Nick Mohammed), Owl (Toby Jones) und den übrigen Stofftier-Gefährten Christopher Robins Leinwand-Pendants (Ewan McGregor). Wegen des schmierigen Abteilungsleiters Giles (ein grimassierender Mark Gatiss) hat er weder Zeit für Tagträume noch Gattin Evelyn (Hayley Atwell) und Tochter Madeline (Bronte Carmichael). Der Weg, auf dem seine fast vergessenen Kindheitsfreunde ihn zurück zu mehr Lebensfreude führen, ist ebenso vorhersehbar wie ignorant.

Verkitschte Mythen von kindlicher Unbeschwertheit und Nostalgie unterfüttert die verlogene Mär in adrettestem 50er-Jahre-Setting mit doppelt- und dreifacher Vergangenheitsklitterung. Rassistische und sexistische Diskriminierung existieren im England der 50er nicht. Noch auffälliger ist die Abwesenheit der Eltern, deren Landsitz Christopher Robin besucht. Der dem Wust historischer und biografischer Falsifikation unterliegende Zynismus gipfelt in der rigorosen Umdeutung der ambivalenten bis traumatischen Auswirkungen, die der popularisierte Phantasiekosmos auf Christopher Robins Kindheit und Erwachsenenleben hatte. Jedes dramatische Potenzial ertränkt honigsüße Heuchelei. Da wird nicht nur einer wie Eeyore depressiv.

  • OT: Christopher Robin
  • Regie: Marc Forster
  • Drehbuch: Alex Ross Perry, Allison Schroeder, A.A. Milne, E.H. Shepard
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 100 min.
  • Cast: Ewan McGregor, Hayley Atwell, Bronte Carmichael, Mark Gatiss, Oliver Ford Davies, Ronke Adekoluejo, Adrian Scarborough, Roger Ashton-Griffiths, Ken Nwosu, John Dagleish, Amanda Lawrence, Orton O’Brien, Katy Carmichael, Tristan Sturrock
  • Kinostart: 16.08.2018
  • Beitragsbild © Walt Disney
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