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„Hustlers“ is sarcastic, self-aware Retelling of Scamming in Style

„Hustlers“ is sarcastic, self-aware Retelling of Scamming in Style

Worum es in Lorene Scafarias dynamischer Adaption Jessica Presslers New York Times Artikels tatsächlich geht, verkündet in der Anfangsszene verbatim Janet Jackson: Control. Dabei geht es der Regisseurin und Drehbuchautorin in ihrem glamourösen Krimidrama weniger um Fremdkontrolle mittels Manipulation, dank der die Titelclique reiche Klienten ausnimmt, als Rückeroberung der Kontrolle über das eigene Leben, den eigenen Körper, die eigene Geschichte. Erzählt aus weiblicher Perspektive hinter und vor der Kamera, unterminiert letzte geschickt Publikumserwartungen und narrative Konventionen.

Wie die Mehrheit ihrer Kolleginnen, deren Verschiedenheit in Nebenrollen Cardi B, Lizzo, Trans-Actress Trace Lysette und Mette Towley repräsentieren, ist Destiny (Constance Wu) als PoC und Stripperin mehrfach marginalisiert. Ihre Selbstbehauptung mit Unterstützung von Mentorin und Freundin Ramona (Jennifer Lopez) ist eine doppelte: Die Story ihres wirtschaftlichen Überlebenskampfs, den sie, wie die enttäuschend schematische Interview-Rahmenhandlung antizipiert, bewältigt, ist zugleich dramaturgische Ausnahme. Stripperinnen sind besonders im Krimi-Genre inflationär eingesetzte persönlichkeitslose Schau- und Verschleißobjekt. 

Mittelpunkt der trotz Freizügigkeit kühlen Inszenierung ist jedoch die fast 50-jährige Lopez, die im Edel-Club neben Kunden ihre unerfahrene Kollegin hypnotisiert. Ihr Poledance sprengt vorgefasste Konzepte von altersabhängiger Fitness und Erotik, während ihr differenziertes Schauspiel Typisierungen transzendiert. Die Koordinatoren der Abzocke ist schillerndste und komplexeste Figur eines (Kom)Plots, dessen allegorisches Potenzial sich geradezu aufdrängt. Kontrastiert mit menschenverachtender Arroganz und Korruption der superreichen weißen Banker erscheint die Masche der Hustlers als verdiente Strafe. 

Rassistisch, elitär und sexistisch fundiertes Status- und Machtungleichgewicht brütet nicht nur Kriminalität, es ist eine Form davon. Süffisante Systemkritik unterstreicht der Soundtrack, der Erotik als Konstrukt einer routinierten Performance demaskiert. Selbst der Behind-the-Scenes-Konflikt mit Ramona-Vorbild Samantha Barbash mindert nicht dramatische Stärke des bissigen Sittengemäldes. Das am harschesten von der Rezession getroffene Gesellschaftssegment ein physisch, mental und sexuell ausbeuterisches System zum eigenen Vorteil manipulieren zu sehen, ist ein rarer Schauwert für sich.

  • OT: Hustlers
  • Regie: Lorene Scafaria
  • Drehbuch: Lorene Scafaria, Jessica Pressler
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 107 min. 
  • Cast: Constance Wu, Jennifer Lopez, Julia Stiles, Mette Towley, Ching Hoh-Wai, Emma Batiz, Vanessa Aspillaga, Jay Oakerson, Trace Lysette, Big Jay Oakerson, Keke Palmer, Mercedes Ruehl, Lili Reinhart, G-Eazy, Cardi B, Lizzo
  • Kinostart: 28.11.2019
  • Beitragsbild © Universum